Über Träume sprechen

Speech Bubble Sign Symbol Communication Concept

Rund zwei Wochen vor der Veröffentlichung dieses Eintrags überkam mich beim Aufwachen die folgende hypnopompe Botschaft:

„Wir sollten mehr über Träume sprechen.“

Daraus sind schließlich die beiden Posts dieser Woche entstanden, wobei der erste direkt den Titel der hypnopompen Einsicht trägt und der zweite zusätzlich zu einem Teil Klarträume betrifft.

Wie ihr seht, funktioniert Kreativität „auch mal anders“.

Ich gebe gleich zu Beginn eine Entwarnung: Dieser Eintrag wird keine psychoanalytische Prägung aufweisen, sondern stattdessen auf eine eher „lockere Unterhaltung“ abzielen. Erstens habe ich nicht die notwendige Qualifikation dafür und zweitens wurde dieses Thema schon in zahlreichen Artikeln von den Psychologen „durchgekaut“. Betätigt die Suchmaschine und ihr werdet rasch im Internet fündig.

Wozu über Träume mit anderen reden? Wozu persönliche Dinge aus den Traumerlebnissen der Nacht im Gespräch teilen?

Dazu meine spontanen Brainstorming-Ergebnisse mit großem Wahrheitsgehalt:

  • Träume könnten Erfahrungen spiritueller Natur sein, die uns Dinge offenbaren, die im Wachzustand noch nicht zu uns durchgedrungen sind;
  • unsere Mitmenschen können uns auf diejenigen wichtigen Bestandteile eines Traums aufmerksam machen, die uns sonst nicht aufgefallen wären;
  • Träume Teilen und über sie Sprechen verbessert unsere Traum-Erinnerung;
  • Unter vier und mehr Augen über Träume zu sprechen fördert unser soziales Verhalten: in der heutigen Welt der Massen-Überflutung an Social Media-Inhalten und „anonymem Kommunikationsaustausch“ nicht zu unterschätzen;
  • Träumen bringt Menschen zusammen: Vom gemeinsamen Staunen und Lachen bis zum Verarbeiten trauriger Ereignisse, die direkt mit der physischen Realität in Verbindung stehen könnten.

Wie könnte man sich effektiv und ohne Manipulation über vergangene Träume unterhalten?

Besonders gelungen und für alle Seiten bereichernd finde ich die Taktik von Robert Moss. Er schlägt in seinem lightning dreamwork game die folgenden Schritte für eine Traumdiskussion vor (Moss 2010 : Everyday Dream Games):

  • A. Der Träumende denkt sich einen passenden Titel aus und berichtet schnurstracks und ohne Umschweife über seinen Traum.
  • B. Der / die Fragende(n) stellen die folgenden drei Fragen, die der Träumende zu beantworten versucht:
  • 1. Wie hast du dich im Traum gefühlt?
  • 2. Gibt es direkte Bezüge zum Wachzustand? Könnte sich der Traum in der Zukunft abspielen?
  • 3. Was magst du jetzt darüber wissen?
  • C. Der Fragende erzählt aus seiner Sicht, was der Traum bedeuten könnte und welche Assoziationen dieser hervorruft, ohne diese aufzudrängen. Er benutzt dabei Aussagen, wie: Wenn es mein Traum gewesen wäre …
  • D. Der Fragende möchte vom Träumenden wissen: Was hast du jetzt mit dem Traum vor? Wie willst du damit weiterarbeiten (z.B. dream re-entry für weitere Einsichten durchführen)? Ggf. hilft er mit eigenen Ratschlägen weiter.

Ich finde, dass ihr auf diese Weise mit den passenden Gesprächspartnern das Maximale aus euren Träumen herausholen könnt. Für spontane Anregungen könnte man sich auch mit einem Fremden unterhalten – es kommt auf die Situation und den eigenen Mut an, etwas von der eigenen Innenwelt preiszugeben.

Mein persönliches Fazit lautet:

Über Träume zu sprechen ist eine „Lebensaufgabe“.

Selbst die verschlossensten Menschen, die bei Themen wie Klar- oder Zukunftsträumen die Augen rollen, horchen interessiert auf, wenn das Gespräch beispielsweise auf Tiefenträume (big dreams) oder Trauminkubation auf Lebensentscheidungen trifft. Wer möchte nicht in ein Fettnäpfchen tappen oder wichtige Lebensereignisse im Voraus erkennen, um darauf vorbereitet zu sein?

Träume BERÜHREN jeden von uns.

Wieso träumen Menschen schließlich spontan über Klarträume und andere Dinge, wenn sie einen Tag vorher darüber gesprochen haben? Wozu wurde uns die Fähigkeit zum Träumen überhaupt gegeben? Die Natur ist wählerisch und gewährt alles mit Bedacht. Die Evolution siebt das Unnötige aus.

Träumen kann kein nächtlicher Unsinn sein, von dem man verwirrt aufwacht. Oder bloßer Schnipsel der „Ruhe-Gestaltung“.

Träume achselzuckend abzuschreiben käme einem lebendigen Begraben verborgener (Hilfs-) Talente gleich.

Bevor man das unerschöpfliche Potenzial durch die Kommunikation mit dem Unbewussten aufdeckt. Bevor man in der Lage ist zu begreifen, wie viel man mit Hilfe von wirksamer Traumarbeit für sich selbst erreichen und sich sein Leben im Wachzustand insgesamt erleichtern kann.

Bevor man durch seine Träume mehr Bewusstheit über sein eigenes Leben erlangt.

Eure Alex

Quellen: Bild: © Rawpixel.com / Fotolia.com
Moss, Robert (2010): The Three „Only“ Things: Tapping the Power of Dreams, Coincidence & Imagination, [Kindle Edition], New World Library, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 19.06.2016].

 

 

WILD vs. DILD – meine Bilanz

Woman with her hand extended signaling to stop (only her hand is in focus)

                                                                         palm check

Welche Klartraum-Technik bevorzugt ihr? Seid ihr auch eher für beide Induktionsformen (DILD / WILD) empfänglich oder habt gar eine speziell ausgetüftelte Version?

Bei Luzidität ist schließlich alles möglich und nichts bindend. Zumindest zu Beginn eurer persönlichen Klarheitsreise.

Findet euren eigenen Weg.

Aber berücksichtigt die Tatsache, dass die dauerhafte Umprogrammierung des Gehirns mit derselben Taktik mehr bringt als die kurzfristige mit abwechselnden.

Wenn ihr beispielsweise gerade eine neue Technik ausprobiert, kann auch Mal ein schnell eingetretener Überraschungseffekt die Luzidität hervorrufen, die dann ärgerlicherweise aus unergründlichen Gründen langfristig ausbleibt. Das Üben gestaltet sich dann mit Zweifeln an den eigenen Fähigkeiten und ist mit dem Rennen gegen eine Wand vergleichbar.

Ihr gewinnt jede Menge Frust und verliert einen Haufen Zeit…

Es kann durchaus von Erfolg gekrönt sein, in einer luziden »Trockenphase« das Gehirn mit einer ungewohnten Klartraum-Technik-Spezialität herauszufordern. Durch die letzen Jahre »rettete« ich mich mit Alternieren von diversen WBTB- bzw. WILD-Varianten und Mischformen wie SSILD. Ich merkte stets auf dem richtigen Weg zu sein, wenn ich zunehmend präluzide im Traum wurde, d.h. mich über bestimmte Ereignisse im Klartraum zu wundern begann.

Ein »Logbuch« mit dem Festhalten eurer Luziditätsgrade ist daher in jedem Fall die Mühe wert und verrät euch, wie weit ihr vor dem »Finish« entfernt seid.

In den meisten Fällen jedoch (was das Ausbleiben der Luzidität anbetrifft) … Geben wir es doch Mal alle ehrlich zu (!):

  • Wir sind zu bequem geworden und nur noch mit halbem Herzen bei der Sache /
  • wir schlafen zu schlecht und/oder zu wenig /
  • wir ernähren uns ungesund oder konsumieren Alkohol in ungünstigen Maßen /
  • wir haben anderweitige Prioritäten im Wachzustand /
  • wie hegen eine zu schwach ausgedrückte Absicht vor dem Abgleiten in den Schlaf.

Erinnern wir uns lieber immer wieder daran:

Klarheit im Traum ist mit Anstrengung verbunden.

Sonst würden es ja alle jederzeit und überall praktizieren.

Zudem habe ich nach einigen Jahren Klartraum-Induktion für mich selbst herausgefunden:

Keine Technik ist auch eine Technik.

Ich erlernte meiner Ansicht nach die natürlichste WILD-Form:

Bewusst und ohne viel Schnickschnack in den Traum zu gleiten. Hypnagogia meditativ zu folgen gelernt, ohne sofort einzunicken.

Ich merkte zügig, dass mir das WILDen leichter fiel. Dennoch arbeitete ich stets parallel im Wachzustand an der gegensätzlichen Induktionsform (DILD).
DILDs wurden zu meinen möglichen Geheimtrümpfen im Ärmel, wenn ich einen WILD nicht bis zum Ende durchziehen konnte. Sie erfolgten gelegentlich, fast immer unerwartet und verliehen einen ganz besonderen »Kick«. Es macht einen großen Unterschied aus, ob man bewusst und selbstsicher in den Traum »hineinspaziert« oder wie aus dem Nichts »luzide« wird. Mit DILDs hatte ich stets mehr Mühe. Sie gestalteten sich oftmals wacklig, sodass ich nach und nach lernen musste, sie zu stabilisieren.
Besonders gut funktioniert haben bei mir diese bewährten Stabilisationstechniken, je nach Platz und Möglichkeiten im Klartraum:

  • Spinning,
  • Tastsinn wie Hände reiben,
  • meine Aufforderung an mich selbst: Ruhig bleiben!
  • mehrmaliges Rufen von »KLARHEIT!«, wenn die Szene zu verschwimmen begann.

Am »empfindlichen« WILDen störten mich trotz der stets hohen Luziditätsgraden mit maximaler Ausnutzung der Traumdauer immer wieder die folgenden Umstände:

  • kleinster Schnupfen /
  • Grübeln vom Vortag /
  • innere Aufruhr beim Aufwachen in der Nacht usw.
  • konnten die notwendige Ruhe / Relaxation zum WILDen beeinträchtigen oder gar komplett zunichte machen.

Ich träumte immer wieder insgeheim davon, das korrekte DILDen zu erlernen.

Und ich kann es heute gar nicht oft genug betonen:

Gebt nicht auf und bleibt hartnäckig, wenn die »puren, klassischen« Klartraum-Techniken mehr schlecht als recht funktionieren wollen.

Es wird oft nahegelegt, die Realitätstests seien nicht für jedermann geeignet.

Ich halte sie für die natürlichste Form der Luziditätsübertragung in den Traum.

Ihr reflektiert tagsüber kritisch die Geschehnisse des Alltags und genau dieses Verhalten spiegelt das Gehirn schließlich im Traum wieder.

Es muss nur einen deutlich merkbaren »Klick« machen, und zwar oft genug, dass das Logikzentrum entsprechend umgepolt wird.

Aber wenn es passiert, kommen die Klarträume auch unaufgefordert und ohne jegliche zusätzliche »Technik-Torturen«.

Mein Beispiel: Die »richtige« kritisch-reflexive Bewusstseinsprüfung (nach Paul Tholey) im Klartraum sickerte bei mir erst IM LAUFE EINES JAHRES in die Traumwelt durch! Ich erlebte zahlreiche »spontane geistige« Anregungen zum Überprüfen der Wirklichkeit in den vergangenen Jahren, aber das LOGISCHE Nachdenken über die Gründe bzw. bewusstes Feststellen von merkwürdigen Zufällen im Traum vollzog sich sehr langsam und sehr unregelmäßig. Erst einige Male als »gemeiner« Vorgeschmack und mit einer anschließenden Unterbrechung von 54 Wochen, in denen ich mit zusammen gebissenen Zähnen »weiterkämpfte« und nicht aufgeben wollte…

Der Siegeszug erfolgte schließlich im Schneckentempo. Ein innerlich intensiv erlebtes geistiges »Erwachen« in der Traumwelt.

Dann allerdings spürte ich im Traum förmlich, wie ich von nun an »anders über meine Umgebung dachte«.

Und zwar nicht nur gelegentlich. Nach dem mühsamen Überwinden einer unsichtbaren Barriere brach das kritische Denkvermögen doch noch über mich herein. Ich hatte es geschafft.

Die Luzidität ist immer für eine Überraschung gut!

Eure Alex

 

Bild: © vadymvdrobot / Fotolia.com

Ihr habt nur ein Gehirn!

Megafon vor Kreidetafel

Dem Anschein nach komme ich einfach nicht drumrum: Manche Menschen haben einfach das Bedürfnis zu diskutieren, welche Pulverchen-Mittelchen wie Galantamin und Co. zur Luzidität verhelfen sollen, in welcher Zusammensetzung usw.

Sind wir hier etwa bei Merlin, in der Alchemie-Werkstatt?

Ist es nicht besser und gesünder, ein natürlicher Klarträumer zu werden?

Ich kann in gewisser Hinsicht sogar verstehen, dass man bei andauernder Erfolglosigkeit den Weg des geringsten Widerstands wählen möchte. Dass man verzweifelt, grübelt und demotiviert ist, wenn andere klarträumen und einem selbst dieses (nur scheinbare!) Privileg verwehrt bleibt. Aber …, braucht man wirklich calea zacatechichi (Traumgras) dafür?

Schaut euch den Begründer des Realitätstests an: Paul Tholey wandte rund einen Monat lang aus purem wissenschaftlichem Interesse und ohne Gewissheit in Bezug auf die Endergebnisse (!) die »kritische Bewusstseinsprüfung« an, die schließlich in Luzidität resultierte (Waggoner und McCready 2016: Kap.3: Paul Tholeys Kritisch-reflektierende Technik).

So viel Geduld müsste ein jeder Anfänger schon Mal mitbringen. Und auch wenn ihr zu den Glückspilzen gehört und sich der erste Erfolg schnell einstellt, heißt es leider noch lange nicht, dass die nächsten Klarträume im gleichen Tempo folgen müssen. Die Luzidität kann durchaus zickig und launisch in ihrem Eintreten sein. Techniken für DILDs könnten »abstumpfen« oder ihr seid nicht mehr mit dem einstigen Enthusiasmus dabei, der euch wie ein Katalysator in den nächsten Klartraum katapultiert. Auch ich hatte so einige Durchhänger und Durststrecken überwinden müssen.

Heute sehe ich das Ganze aus diesem Blickwinkel:

Ich muss Luzidität nicht mit Pillen herbeiführen.

Ich muss nicht jede Nacht klarträumen.

Oft habe ich einfach ein besonderes Gefühl bzw. die Vorfreude, dass heute eine perfekte Nacht fürs Klarträumen sein könnte. Profis wie Robert Waggoner träumen izwischen nur rund 2 Mal im Monat klar (was nicht nur mit dem Alter zusammenhängt)1. Es geht ja letztendlich um die Klartraum-Qualität und keine Wettbewerb-Medaillen.

Ihr habt nur ein Gehirn, geht kein irreparables Risiko mit Medikamenten und sonstigen Wundermitteln ein.

Wenn die gängigen Techniken nicht funktionieren, besorgt euch vorher lieber eine »REM-Maske« oder experimentiert mit den binaural beats. Das ist wesentlich ungefährlicher und ihr bekommt höchstens einen Brummschädel davon (weswegen ich diese Dinge eher meide)2.

Was ist euch die Luzidität wert? Bestimmt nicht die eigene Gesundheit oder Vernebelung des Urteilsvermögens, oder? Ich habe mich damals dazu entschlossen, es auf natürlichem Wege zu schaffen. Und es nicht bereut.

Eure Alex (mit einem Augenzwinkern)

 

Quellen: Bild: © fotogestoeber / Fotolia.com 
Waggoner, Robert und Caroline McCready (2016):
Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein: So aktivieren Sie Ihr verborgenes Potenzial im Schlaf, [Kindle Edition], München: Wilhelm Heyne Verlag, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 25.05.2016].

Vgl. Robert Waggoners Diskussionsrunden auf dem FAQ-Forum seiner Homepage.

Natürlich vorher die möglichen Risiken und Nebenwirkungen abwiegen. Gute Erfahrungen machte ich z. B. mit den Lucid Dreaming Isobeats.