Realitätstests mit Sinn

Neben der Traumtagebuch-Führung gehören die Realitätstests zum wichtigsten Werkzeug eines Klarträumers. Auch wenn die sogenannten reality checks in Theorie recht einfach und unkompliziert klingen, gelingt es nicht allen, sie vom Wach- in den Traumzustand zu überführen.

Doch warum ist es so?

Die Antwort liegt auf der Hand :

Wenn wir im Leben etwas halbherzig durchführen, oder noch schlimmer, automatisch über uns ergehen lassen, können wir nicht davon träumen.

Habt ihr euch schon Mal etwas so sehr gewünscht, sich Tage lang bis zum Einschlafen damit beschäftigt, so sehr auf die Post gewartet, dass sich euer Wunsch im Traum manifestiert hat? Ich habe oft solche Träume. Auch tauchen in meinen Träumen bestimmte Themen bzw. Symbole aus intensiv verarbeitetem Lesestoff am Vortag auf.

Eine ähnliche Begeisterung ist auch bei Realitätstests notwendig.

Es reicht nicht aus, mal kurz einen Check zu machen. Dann kann man es genauso sein lassen und seine Zeit anders gestalten.

Was sind die Knackpunkte bei einem Realitätstest?

Die Auslöser, die richtige Einstellung, die Dauer, die Häufigkeit und die Analyse der Umgebung.

Eine Minute könnte einer von mindestens zehn täglich sorgfältig ausgeführten Realitätstests schon dauern. Stellt euch vor, dass ihr, einem Detektiv ähnlich, mit einer unsichtbaren Lupe und einer gesunden Portion Neugier, die unmittelbare Gegend untersucht: Was fällt euch auf? 

Der Klartraum-Experte Daniel Love weist darauf hin, dass man dabei berücksichtigen soll, wie viel Zeit wir eigentlich im Schlaf verbringen und wie täuschend echt sich das Erlebte im Klartraum anfühlen kann. Erst nach dem Aufwachen stufen wir diese Erfahrungen als irreal ein.

Wenn ihr einen luziden Traum hattet, wisst ihr, dass es kein Hirngespinst ist, die Wirklichkeit regelmäßig zu hinterfragen.

Auch ist es sehr hilfreich, während eines Realitätstests anzunehmen, dass ihr wahrscheinlich träumt. Damit verhindert ihr eine indirekte Programmierung, dass ihr wach seid, sodass die Wirksamkeit des Tests insgesamt abgeschwächt wird.

Sucht eure Umgebung besonders nach Zeichen von Unstabilität ab (Love 2013: Kap.3: Reality testing).

Auch ich bemühe mich jedes Mal, irgendeine digitale Uhranzeige zu entdecken bzw. einen Text jeder Art, welcher sich auf einem Blatt Papier, Buch, Plakat usw. befinden kann. Beim zweiten Hinsehen ändern sich die Zahlen bzw. Buchstaben dermaßen, dass es Klick macht. Das ist ein Traum!

Aber auch wenn ihr durch die Realitätstests allein keinen DILD erlebt, ist deren Praxis im Wachzustand eine Pflicht eines jeden Klarträumers. Nach meiner Erfahrung führe ich immer die geübten Tests aus, auch wenn ich sie nach einem WBTB / WILD usw. im Traum anwende. Außerdem sind sie wichtig, um die Klarheit im luziden Traum aufrechtzuerhalten bzw. um diesen zu stabilisieren.

Führt daher täglich eure gewählten Realitätstests durch.

Mein Lieblingstest ist der palm check – das Betrachten meiner Hände. Aber er ist unzuverlässiger, wie ich bereits mehrmals feststellen konnte. Manchmal konnte ich im Klartraum nicht beurteilen, ob meine Hände normal aussehen. Das endete damit, dass ich einen anderen Test dran hängen musste. Oder, wie im Falle eines WILDs, einfach mit den Schultern zuckte. Wenn ihr den Traum bewusst betritt, braucht ihr den Test oftmals nicht, weil es von Anfang an eindeutig ist, dass ihr träumt. 

Macht euch also mindestens zwei Realitätstests zur Gewohnheit.

Doch wann ist der beste Zeitpunkt für einen Realitätstest? Was könnte bzw. sollte ihn hervorrufen? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten und es wäre großartig, wenn ihr alle beherzigen könntet (Love 2013: Kap.3: Reality testing):

  • spontaner Wunsch, einen Realitätstest zu machen,
  • beim Bemerken eurer persönlichen Traumzeichen aus dem Tagebuch – könnten Personen / Gegenstände / Tätigkeiten oder bestimmte Emotionen darstellen,
  • Zufälle,
  • Dejà-Vues,
  • generelle Gefühlsausbrüche im Wachzustand,
  • Versuch der Rechtfertigung einer bestimmten unnatürlichen Begebenheit,
  • Gespräche über (Klar-)Träume.

Um mich nicht mit den Tests zu überladen, nutzte ich als Einstiegstechnik die Weird Technique Charlie Morleys (Morley 2013: Kap.5: The Weird Technique):

Wenn etwas (weird) sonderbar läuft, macht einen Realitätstest. Seid aufmerksam in eurer Wahrnehmung.

Ich führe den Test auch durch, wenn mir jemand generell etwas Komisches / Merkwürdiges erzählt. Auch versuche ich stets, eine luzide Geisteshaltung (lucid mindset) im Alltag zu pflegen. Das bedeutet, ich stelle mir immer wieder die Frage:

Wo bin ich gerade?

Da ich in meinen Träumen oft irgendwo anders bin, als im Wachzustand, ist die Frage berechtigt.

Nach Robert Waggoners Empfehlung lässt sich die mentale Geisteshaltung auf folgende Lebensbereiche übertragen (Waggoner und McCready 2016: Kap.3: Paul Tholeys Kritisch-reflektierende Technik):

  • Lokalität: Wo bin ich gerade?
  • Gedächtnis: Was tat ich gerade?
  • Kritisches Überlegen: Träume ich gerade?

Beschäftigt euch mehrmals am Tag mit der ausgesuchten Frage. Nach einer gewissen Zeit sickert diese mentale Routine in das Traumgeschehen.

Wie fleißig ich in Bezug auf die reality checks bin, manchmal werde auch ich bequem und gerate in Versuchung, sie auszulassen.

In solchen Fällen hat mich mein großartiger und unvermeidlicher Weckruf auf die richtige Fährte zurückgebracht. Ein charakterististischer Gegenstand, welcher an die Tests erinnern soll, wird auch als ein Totem bezeichnet (Tuccillo, Dylan, Jared Zeizel und Thomas Peisel 2013: Kap.8: The Reality Check: Totem).

Ich verwende den Kreisel aus Inception, meinem Lieblingsfilm mit Klartraumbezug. Diesen habe ich im Bad auf der Ablage platziert, neben einem Zahnputz-Timer mit digitaler Uhranzeige und einer Flasche Hautmilch mit viel Text. 

Wenn ich im Bad bin, läuten die Alarmglocken, sobald ich den Kreisel sehe.

Ich checke daraufhin sofort die Uhrzeit und den Text auf der Kosmetik-Flasche. Das erinnert mich auch wieder daran, die Umgebung nicht nur im Bad zu analysieren.

Zusätzlich drücke ich stets meine Hand gegen eine scheinbar feste Oberfläche wie Wand / Schrank / Tisch (im Traum versinkt die Hand wie in Butter darin).

Das war’s eigentlich. Nicht schwer, oder?

Zur Übersicht eine knappe Checkliste zum Aufhängen oder Merken:

  • 1. Lucid mindset – Frage stellen (spontan / durch Totem / merkwürdiges Ereignis / Traumzeichen)
  • 2. Die Frage beantworten. Wenn unverdächtiger Ort, Gegend absuchen nach a) geschriebenem Text und b) Zahlen.
  • 3. Zahlen / Text betrachten, wegschauen, noch Mal ansehen. Frage: Träume ich? beantworten.
  • 4. Wenn alle Stricke reißen oder in der Dunkelheit: nose pinch (Nase zukneifen – im Traum kann man durch die Nase atmen) / thumb check (rechten Zeige- und Mittelfinger durch die linke Handfläche drücken – im Traum passieren die Finger die Hand)

Werdet kreativ! Erfindet eigene Anstupser, die euch im Traum aus dem fiktiven Alltagstrott befreien!

Klare Träume!

Eure Alex

Mein Realitätstest

 

Quellen:
Love, Daniel (2013): Are you Dreaming?: Exploring Lucid Dreams: A Comprehensive Guide, [Kindle Edition], Enchanted Loom Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016].
Morley, Charlie (2013): Dreams of Awakening, [Kindle Edition], London: Hay House UK Ltd, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016
Tuccillo, Dylan, Jared Zeizel und Thomas Peisel (2013): A Field Guide to Lucid Dreaming: Mastering the Art of Oneironautics, [Kindle Edition], New York: Workman Publishing Company, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016].
Waggoner, Robert und Caroline McCready (2016): Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein: So aktivieren Sie Ihr verborgenes Potenzial im Schlaf, [Kindle Edition], München: Wilhelm Heyne Verlag, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016].

Wie klar ist ein Klartraum?

 

Winners Podium

Da ich gelegentlich gefragt werde, ob ein bestimmter Traum schon als »luzide«  klassifiziert werden kann, versuche ich euch, anhand von »Kontinuitätsspektren« der Experten, eine Richtlinie darzulegen.
Nach eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass zu Anfang im Falle von DILDs ein fließender Übergang in der Klarheit besteht, der Schwankungen unterliegt und sich kontinuierlich steigert.

Ich gehe nun auf die Klassifizierung von Robert Waggoner ein, weil das »Belohnungssystem« im nächsten Beitrag darauf basiert. Außerdem bietet es vor allem Anfängern eine gute Übersicht über ihre Fortschritte. Er teilt die Bewusstseinsstufen im Klartraum folgendermaßen auf (Waggoner und McCready 2016: Kap.2: Abstufungen des Klartraums):

  • prä-luzide = der Träumende wundert sich über Traum-Begebenheiten,
  • sub-luzide = der Träumende erkennt vage, dass er träumt, geht aber nicht näher darauf ein,
  • semi-luzide = der Träumende wird luzide, nimmt aber kaum Einfluss auf den Traum, vielmehr lässt er sich von ihm leiten,
  • luzide = der Träumende ist in der Lage, wichtige Entscheidungen, die mit seiner Luzidität zusammenhängen, zu treffen,
  • voll-luzide = der Träumende ist sich seiner Fähigkeiten im Klartraum bewusst, erinnert sich an Ziele aus dem Wachzustand und verfolgt sie sowie
  • super-luzide = der Träumende verfügt über eine überragende Bewusstheit, Kreativität und Kontrolle über der Traum, übt unter anderem spirituelle Praktiken wie Meditation aus.

Ich habe für mich selbst eine zusätzliche Kategorie festgelegt, die ich als (indirekter) luzider Gedanke bezeichne und noch vor prä-luzide einordne. Ich könnte sie auch mit luzider Apathie umschreiben.  Es umschließt jene Fälle, in denen der Träumende ausgehend von der Traumumgebung zwar mit Klartraumthemen konfrontiert wird, sie jedoch nicht so weit registriert, dass sie Luzidität hervorrufen. Vielmehr scheinen die eigentlich entscheidenden Hinweise zum einen Ohr rein und beim anderen wieder herauszugehen. Dennoch ist diese Tatsache für mich relevant, weil sich eindeutig wichtige Konzepte in das Traumbewusstsein geschlichen haben. Beispielsweise träumte ich einst davon, wie mir eine Traumfigur vorschwärmte, wie sehr sie das Klarträumen erlernen wolle und berichtete mir von Realitätstests, die sie jetzt durchführe. Ich kommentierte ihr Vorhaben mit Begeisterung, ohne einen Realitätstest zu machen. Ich empfahl ihr sogar in meinem Blog zu stöbern! Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie ich mich nach dem Aufwachen über meine Passivität wunderte…

Wie steht es um eure Luzidität im Klartraum? Auch wenn es im Moment wie ein Tropfen ins Meer klingen mag: Gebt nicht auf bzw. resigniert nicht, wenn ihr nicht sofort stabile luzide Träume bekommt. Mit der Zeit vertieft sich die Erfahrung wirklich.

Geduld ist manchmal die beste Medizin!

Besonders gut gefällt mir der Maßstab von Daniel Love, der Luzidität in übersichtliche drei Grade einteilt:

  • nicht-luzide = gewöhnlicher Traum,
  • geringe Luzidität = der Träumende begreift nur vage, dass er träumt, lässt sich vom Traumgeschehen absorbieren und tendiert dazu, die Luzidität zu »verlieren« und
  • volle Luzidität = der Träumende verfolgt die eigenen Ziele und ist von der Traumumgebung unabhängig.

Nach der Argumentation von Daniel Love unterscheidet sich die weniger ausgeprägte Klarheitsstufe vom vollen Grad der Luzidität vor allem in der Tiefe des Verständnisses des Träumenden dafür, was sich hinter der Traumwelt verbirgt. Der erfahrene Klarträumer weiß, dass der Traum über einen illusorischen Charakter verfügt, weil er der Konstruktion seines Gehirns entstammt. Dadurch eröffnen sich ihm endlose Möglichkeiten und Freiheiten in der Klartraum-Gestaltung (Love 2013: Kap.6: Did I experience a lucid dream?).

Das klingt doch fast zu schön, um wahr zu sein, oder?

Es stimmt jedes Wort.

Aber es ist noch nicht alles: Mit der Luzidität krempelt ihr nicht nur euer Traumleben, sondern auch das Verweilen im Wachzustand um.

Mein persönlicher Rat:

Geht nicht leichtfertig damit um! Klarheit anzustreben, bedeutet eine Lebensenscheidung getroffen zu haben. Das Ziel sollte sein, sowohl im Wach- als auch im Traumzustand Luzidität – eine Klarheit der Gedanken und Gefühle – zu pflegen. Einen komplett neuen Lebensstil zu erfahren.

Eure Alex

Quellen: Bild: © efks / Fotolia.com
Love, Daniel (2013): Are you Dreaming?: Exploring Lucid Dreams: A Comprehensive Guide, [Kindle Edition], Enchanted Loom Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 25.05.2016].
Waggoner, Robert und Caroline McCready (2016): Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein: So aktivieren Sie Ihr verborgenes Potenzial im Schlaf, [Kindle Edition], München: Wilhelm Heyne Verlag, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 25.05.2016].

(Klar-) Traum-Erfolge planen und honorieren

Sonnenaufgang am See - bayrisches Seenland

Wenn ihr aufwacht und per Autopilot in den Tag startet, könnte sich die Realisierung des »schwammig erinnerten« Wunsches, einen luziden Traum zu erleben, sichtlich in die Länge ziehen. Woher soll auch das Unterbewusstsein darüber Bescheid wissen und darauf hinarbeiten, wenn im Wachzustand anderen Dingen die Prioritäten gegeben werden?

Im Gegensatz dazu seid ihr auf dem richtigen Weg zu einer effektiven inneren »Umprogrammierung«, wenn ihr mit diesen Anregungen eure Aufwachphase strukturiert:

  • Ihr haltet direkt nach dem Aufwachen eure Träume fest.
  • Ihr nehmt euch vor, die von euch gewählte Praxis (wie Realitätstests) tagsüber gewissenhaft durchzuführen. Ein passendes Gebet/Mantra kann eurer Intention einen entscheidenden Aufschwung verleihen. Übrigens ist jetzt der Zeitpunkt perfekt, einen reality check zu machen. Seid ihr wirklich wach, wenn ihr am Morgen eure Augen öffnet?
  • Wenn ihr keinen luziden Traum hattet, sollte es kein Anlass sein, den Kopf hängen zu lassen. Motiviert euch zum gegenteiligen Ergebnis, indem ihr euch sagt, dass es euch bei der nächsten Gelegenheit gelingen wird, klar zu träumen.
  • Wenn ihr tatsächlich einen Klartraum zu verzeichnen habt, lasst eurer Freude darüber freien Lauf und seid stolz über diesen Erfolg. Beschließt darauf innerlich, in der folgenden Nacht wieder Luzidität zu erlangen (Rinpoche 2001: Kap.12: Ausbildung von Erinnerungsvermögen und freudigem Bemühen).
  • Strebt ihr eine außerkörperliche Erfahrung an? Habt ihr irgendwelche auditiven Signale oder Vibrieren beim Aufwachen oder in euren Träumen bemerkt? Seid ihr mit einem internen Knall in den Körper »zurückgeschnappt«? Beachtet zudem den Inhalt eurer Träume. Themen wie Fliegen / Schweben / Fallen / Schwimmen / Laufen oder Bewältigen von schier unmöglichen Aufgaben könnten die Vorboten des Unterbewusstseins für kommende, bewusste AKEs darstellen (Aardema 2012: Kap.9: Keeping a Dream Journal). Ich selbst träume gelegentlich davon, wie sich mein Traumbewusstsein vom Traumkörper löst und unabhängig von ihm agiert, beobachte meine AKEs im Traum aus der Vogelperspektive bzw. erkenne während eines Fluges in seltsamen Kreisbewegungen: Das ist eine AKE.

Ihr könnt eurem persönlichen Fortschritt bzw. der eigenen Motivation noch einen kräftigen Schubs geben, indem …

  • ihr die Anzeichen eurer Erfolge bzw. die zugehörigen Technik-Details in einer separaten Datei führt, diese auf dem Laufenden hält und wiederkehrend studiert,
  • eure häufigsten Traumzeichen in (wöchentlichen) Abständen revidiert (Love 2013: Kap.4: Getting Started),
  • eine Statistik wie Durchschnittswerte zu euren Klarträumen regelmäßig aktualisiert (Rausch 2014: 94-96) ,
  • eure Ziele im Kopf behält.

Wenn ihr eure »luziden« Vorhaben sowohl auf kurze als auch auf lange Sicht plant, sie immer wieder überprüft und ggf. anpasst, bleibt ihr realistisch und verhindert Frustration. Seid unbedingt ehrlich zu euch selbst! Und lasst euch nicht durch Foren beeindrucken bzw. zu sehr beeinflussen. Zwar gibt es jede Menge Angaben zur Dauer bis zu einem Klartraum, ist jeder Mensch hinsichtlich seiner Entwicklung und bisheriger Erlebnisse zu individuell. Es gibt sowohl Naturtalente als auch Einzelne, die Jahre (!) bis zum ersten Klartraum gebraucht haben. Auch hängt der Erfolg von einer gewissen Veranlagung und der eigenen Zielstrebigkeit ab.
Konkretes Beispiel: Als Jugendliche wurde ich während einer »Phase« mit AKEs und Klarträumen als deren häufigen Begleitumständen »spontan« bombardiert. Als ich mir Jahre später Luzidität zum Ziel setzte, erlebte ich nach drei Tagen den ersten »herbeigeführten« Klartraum. Und AKEs kehrten zunächst als »Nebenprodukt« zurück, während ich WILDs praktizierte. Zudem meditiere ich oft nachts, während ich auf einen Klartraum / eine AKE »warte« oder aus Experimentierlust im hypnagogen Zustand verweile. Wenn ich euch jetzt erzähle, dass ich eine Klarträumerin bin und AKE bewusst initiieren kann, wundert ihr euch nicht darüber. Vielleicht aber, wenn ich meine Vorgeschichte weglasse. 

Daher rate ich stets jene Literaturwerke (s. Bibliografie) zu studieren, die nicht nur vor Erfolgen und Techniken protzen, sondern den oftmals beschwerlichen Weg eines heutigen Profis aufzeigen. Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig diese Erfahrungsberichte sind! Erstens, fühlt ihr euch nicht gleich demotiviert, wenn ihr nicht vorwärts zu kommen glaubt und zweitens, ihr könnt Vergleiche ziehen, auf welcher Entwicklungsstufe ihr euch befindet. Abgesehen von der Fülle an Ideen zu Experimenten, die ihr für euch entdecken könnt! Diese Spezialisten haben sich enorme Mühe gegeben, ihr Wissen weiter zu geben, welches im Gegensatz zu der Zeit meiner ersten Erfahrungen für mich leider eher unzugänglich war (weil keine Einschätzung möglich, was da eigentlich geschah und daher Gesprächsscheue, noch kein Internet / Google im Haus, keine sicheren Kenntnisse der englischen Sprache, kaum Publikationen auf dem Markt, fehlender Zugang zu diesen Themen in den Medien usw.). Nutzt die heutigen Sachkenntnisse aus und beschleunigt eure Fortschritte!

Wieder zur Ausarbeitung eurer Absichten: Im Allgemeinen ist ein Klartraum pro Monat als erstes Ziel für interessierte Anfänger bei gleichbleibendem Durchhaltevermögen schaffbar. Danach könntet ihr das Ziel auf 2 Klarträume pro Monat festlegen und euch kontinuierlich hocharbeiten!

Eure Vorsätze sollten euch also persönlich anspornen und gleichzeitig »gerade noch erreichbar bleiben«. Bleibt realistisch. Fragt euch daher in gleichmäßigen Intervallen (LaBerge 2014: Kap.2.: Zielsetzung für Erfolg):

Was will ich im Klartraum vollbringen?
Wie oft will ich luzide träumen?
Wann will ich meine Ziele verwirklicht haben?

Klare Träume!

Quellen: Bild: © Jenny Sturm / Fotolia.com
Aardema, Frederick (2012): Explorations in Consciousness: A New Approach to Out-of-Body Experiences, [Kindle Edition], Quebec: Mount Royal Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

LaBerge, Stephen (2014): Träume, was du träumen willst: Die Kunst des luziden Träumens, [Kindle Edition], München: Münchner Verlagsgruppe GmbH, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Love, Daniel (2013): Are you Dreaming?: Exploring Lucid Dreams: A Comprehensive Guide, [Kindle Edition], Enchanted Loom Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Rausch, Simon (2014): Oneironaut: Das Klartraum-Praxishandbuch, 2. Aufl., CreateSpace.

Eine Navigation in den Schlaf

Geocaching

Mit dem Zubettgehen programmiert ihr größtenteils eure Traum-Erlebnisse in der kommenden Nacht. Im Laufe der Zeit hat sich bei mir eine gewisse Routine eingependelt, die ich jedes Mal durchgehe und euch schildern möchte. Ihr könnt sie mit mehr oder weniger Aufwand entweder zur Gänze übernehmen oder auch nur einzelne Teile in die eigene Praxis einbauen. Die fettgedruckten Schritte führe ich immer aus, während die anderen je nach Müdigkeitsgrad optional sind.

1. Loslassen: Versucht möglichst »unbelastet« in den Schlaf zu treten. Sorgen und quälende Gedanken von den Ereignissen des Tages könnten eure Träume und allgemeine Nachtruhe stark beeinträchtigen oder gar in Alpträume resultieren.
Dazu stelle ich mir eine klassische Schultafel vor, die ich mit den vergangenen Erfahrungen und Zwischenfällen fülle. Danach nehme ich in Gedanken einen Schwamm und wische das Gekritzel von der Tafel ab. Alternativ könnt ihr in wenigen Minuten mit einigen tiefen Atemzügen die hemmenden Gedanken und Gefühle auch einfach »herausatmen«.

2. (Luzide) Ziele in Erinnerung rufen: Was möchtet ihr im Traum erleben? Welche spezifischen Aufgaben habt ihr euch für den Fall eines Klartraums gestellt? Legt euch vorher rund 3 Alternativziele zurecht, falls eines von ihnen nicht »funktionieren will« (LaBerge 2014: Kap.2.: Zielsetzung für Erfolg)! Nichts ist ärgerlicher, als im Klartraum ratlos dazustehen! Wenn ihr diesen Vorgang mit einer geeigneten prägnanten Affirmation kombiniert und euren Erfolg sowie Dankbarkeit an den luziden Traum visualisiert, schafft ihr eine potenziell mächtige »Trauminkubation«. Falls sie nicht sofort eintritt, solltet ihr nicht lockerlassen und mindestens eine Woche lang der selben Visualisierung und Affirmation treu bleiben. (Rausch 2014: 118-120). Der Traum belohnt üblicherweise Ziele, die euren Herzenswünschen entsprechen. Diesen Vorgang könnt ihr mit Zeichnungen oder Texten zum gewünschten Traumverlauf unterstützen. Alternativ könnt ihr um kreative Ideen bitten oder eine Frage zu einem bestimmten Problem aus dem Wachzustand stellen.

Mögliche Formulierungen für Affirmationen:

  • Heute Nacht erinnere ich mich an meine Träume.
  • In meinen Träumen bin ich luzide und bewusst.
  • Heute Nacht wache ich natürlich für einen WILD / DEILD/… (bestimmte Klartraum-Technik) auf. 
  • Mit Konzentration auf eure Traumzeichen (dream signs) : »Wenn ich heute Nacht x bin / x tue / x sehe usw., wird mir klar werden, dass ich träume und ich wechsle in den luziden Zustand über« (Waggoner und McCready 2016: Kap.3; Wie Sie ein Traumsignal anfordern).
  • falls ihr mit der Trauminkubation Luzidität anstrebt: »Heute Nacht möchte ich … tun. Wenn ich vom Thema … träume, werde ich mich daran erinnern, dass ich träume« (LaBerge 2014: Kap.6: Trauminkubation).

3. Autosuggestion durchlaufen (wenn ihr keine Trauminkubation anstrebt), bis ihr einschläft. Wenn ihr beim innerlichen Rezitieren abschweift, kehrt sanft zu euren persönlichen Affirmationen für einen luziden Traum oder Traumerinnerung zurück. Ich etwa spreche innerlich stets ein aussagekräftiges Gebet zum Abschluss, der mich in meinem Wunsch, im Traum luzide zu werden, bestärkt. Inspiriert haben mich diese Worte aus dem Traum Yoga (Rinpoche 2001: Kap.3: Einfache Übungen), die ich wie ein Mantra benutze:

Möge ich einen klaren Traum haben. Möge ich einen luziden Traum haben. Möge ich mich durch den Traum verstehen.

Klare und entspannte Träume!

Quellen: Bild:  © creatix0470 / Fotolia.com;
LaBerge, Stephen (2014): Träume, was du träumen willst: Die Kunst des luziden Träumens, [Kindle Edition], München: Münchner Verlagsgruppe GmbH, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Rausch, Simon (2014): Oneironaut: Das Klartraum-Praxishandbuch, 2. Aufl., CreateSpace.

Rinpoche, Tenzin Wangyal (2001): Übung der Nacht: Tibetische Meditationen in Schlaf und Traum, [Kindle Edition], Kreuzlingen: Heinrich Hugendubel Verlag AG, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Waggoner, Robert und Caroline McCready (2016): Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein: So aktivieren Sie Ihr verborgenes Potenzial im Schlaf, [Kindle Edition], München: Wilhelm Heyne Verlag, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Zusammenfassung: ein umfassender Traumtagebuch-Eintrag

 

Reading under the blanket

Als Abschluss meiner Traumtagebuch-Serie ein Beispiel von mir, wie ein »ausführlicherer« Eintrag aussehen könnte. Es handelt sich dabei um einen leicht adaptierten Export aus der app »Lucidity«.

Erläuterungen:

  • <> = mein Symbol für einen Klarheitstraum (dadurch leichter in der Traumübersicht auffindbar)
  • # = tag (Etikette), z.B. für Luziditätsstufe, Traumkategorien (TK) oder Traumzeichen
  • IA (inner awareness), F (form), C (context), A (action) = englische Abkürzungen für Traumzeichen nach LaBerge
  • RC = Realitätstest (reality check)
  • Ergänzungen zur Gestaltung: Wählt einen möglichst treffenden und einprägsamen Titel für euren Traum.
  • Verfasst eure Einträge am besten erlebnisnah – in der Gegenwartsform.
  • Sind eure Erlebnisse etc. aus dem Wachzustand in den Traum übergegangen? Ich kennzeichne solche Träume mit dem tag „Realitätsbezug“ und halte ggf. Notizen dazu fest.
  • Zusätzlich zur Angabe der angewandten Technik gebe ich ggf. nachträglich Details zur Folgenummer des aktuellen luziden Traums und vermerke, wann der letzte Klartraum stattfand.
  • Allgemeine Empfehlungen: Traumthemen benennen, wie Orte, Charaktere, Empfindungen, Klänge und charakteristische Gegenstände; skizzieren, wie man luzide wurde

— <> Erster Flugversuch —
( #Realitätsbezug, #Favorit, #fully lucid,#Vivid, #TK Fliegerei, #Family, #OBE-Symptome, #TK Ding der Unmöglichkeit)
Technik: SSILD

Stehe plötzlich im eigenen Schlafzimmer und frage mich, ob das jetzt ein Traum ist oder doch Realität. Schaue mehrmals auf meine Hände, die es bestätigen (IA, F = RC)
Mein Kind rennt mir hinterher. Ich
streichle dessen Kopf und trinke ein Glas mit kühlem Wasser auf dem Tisch in der Essecke aus. Die Erfahrung fühlt sich so real an, dass ich verwundert noch einen RC mache. Palm Check funktioniert. Ich gehe darauf auf den Balkon und erinnere mich an mein Ziel vom Fliegen, traue mich aber nicht vom Balkon zu springen. Was ist, wenn das doch kein Traum ist? Sehe wie mein Mann unten ins Treppenhaus geht und gehe ihm schnell entgegen. Was ist, wenn er mich gerade sucht?
Unten treffe ich mehrere Jugendliche und ein Missverständnis entsteht. Ich frage, warum seid ihr hier? Das Mädchen schaut mich unfreundlich an und einer der anderen sagt, wir wollen einziehen! Aber nicht zu uns, wie ich herausfinde.
Begebe mich nach draußen. Laufe einer gepflasterten Straße entlang. Rufe laut eine Marvel-Komik-Figur herbei, die dann tatsächlich aus der Ecke kommt und an mir vorbei spaziert. Aber auch wenn sie sich kurz nach mir umschaut, gehe ich ihr nicht nach. Ich fühle mich bestätigt und starte einen vorgenommenen Flugversuch. Aber die Verkündung “Ich bin Superman!“ bringt mich nur ein Paar cm vom Boden (A), immerhin fliege ich schon flach. Beim zweiten Versuch fliege ich etwas höher, ca. 1 m und schließlich einem wunderschönen Strand entgegen. Freue mich über die tollen Farben, die sich vor mir erstrecken. In der Nähe eines Abhangs sehe ich unten einen alten Mann mit einem Kind samt Hund spazieren. Ich nehme mir vor, sie zu fragen, warum sie hier sind. Aber die Traumzeit ist ausgeschöpft und ich wache auf.

Ich wünsche euch interessante Einsichten in eure (Klar-) Träume!

 

Bild: © Photographee.eu / Fotolia.com

»Echtes« oder digitales Traumtagebuch?

Close up of hand holding tablet with cloud network technology

Wenn ihr euch vorgenommen habt, ein Traumtagebuch anzulegen, aber unschlüssig seid, ob ihr eine »klassische« oder elektronische Variante nutzt, helfen euch vielleicht die folgenden Pro- und Kontra-Argumente der jeweiligen Versionen.

Zu den Vorteilen eines »echten« Traumtagebuchs zählen:

  • ihr könnt Einträge parallel notieren,
  • ihr könnt eurer Kreativität freien Lauf lassen, z. B. eure Träume mit Bildern oder Zeichnungen ausstatten,
  • eine prägnante Positionierung für eure aktuellen (luziden) Traumziele festlegen,
  • Vergleiche ziehen, ob eine »Trauminkubation« (dazu in einem späteren Beitrag mehr) funktioniert hat.

Die Nachteile könnten sein:

  • das Festhalten von Träumen kann umständlich und laut werden, wenn ihr mit Familienmitgliedern / einem Partner das Zimmer teilt oder in einer WG wohnt (Anknipsen einer Taschenlampe oder eines Nachttischlichts, Rascheln mit den Tagebuchseiten, Kugelschreiber suchen … und das im halb schläfrigen Zustand!),
  • erfordert Disziplin und Ordnung (das Zubehör ständig griffbereit haben, sonst entfällt euch der Traum, bis ihr alles beisammen habt)

Wie sieht es mit einer digitalen Ausgabe eures Vorhabens aus?
Ich stelle euch im weiteren Verlauf die Vorzüge einiger Apps vor, die ihr, wie ich, diskret und kaum störend in euren Alltag integrieren könnt. Und wenn ihr sowieso eure Smartphones oder Laptops/Tablets etc. immer griffbereit habt, fällt es euch um so leichter, regelmäßig ein Traumtagebuch zu pflegen. Die Wichtigkeit dieser Praxis habe ich in dem Einstiegsbeitrag zu dieser Serie betont. Wenn er euch entfallen ist oder ihr ihn noch gar nicht kennt, könnt ihr ihn hier noch mal nachlesen.

Da ich das Android-Betriebssystem auf meinem Handy habe, gebe ich Tipps für zugehörige Apps. Aber die von mir genannten letzten beiden Anwendungen entwickelten auch eine Version für iOS bzw. lassen sich grundsätzlich im Webbrowser nutzen.

Ein kleiner Bonus für Interessierte: Dieser Beitragslink von der luziden Träumerin und Ausbilderin Rebecca Turner beschäftigt sich mit noch mehr Anwendungen und stellt auch die mit iOS kompatiblen Alternativen vor.

Was meine eigenen Gepflogenheiten anbetrifft, ist »Lucidity« inzwischen zu meiner Lieblingsapp geworden.

Die Pluspunkte dieser Anwendung lauten:

  • Schnelles Notieren eines Traums möglich (Offline-Funktion),
  • Sprachaufnahme vorhanden, falls ihr Träume nicht aufschreiben, sondern diktieren wollt,
  • Verwendung von personalisierten Tags/Etiketten, wie eure Traumkategorien und -zeichen, Grad der Luzidität (dazu folgt später ein gesonderter Beitrag),
  • Hilfe bei der Auswertung der häufigsten Traumzeichen,
  • grafische Übersicht / Statistiken über eure Traumgewohnheiten,
  • auf Wunsch Erinnerungen an Realitätstests, Verfassen von Einträgen oder deren Lesen am Abend.

Wenn ihr für eine noch ausführlichere Analyse eures Traumverhaltens offen seid, empfehle ich euch die gleichzeitige Verwendung von Dreamboard (englisch) in der Web- oder mobilen Version (leider nicht offline).

Damit könnt ihr zusätzlich eine genauere Analyse über eure:
– Gegenstände,
– Orte,
– Farben,
– Personen,
– Emotionen (erweiterbar/anpassbar),
– Traumtyp (luzide, wiederkehrend, Alptraum),
– Stimmung (neutral, angenehm, unangenehm),
– eigene Rolle
im Traum erhalten. Was sehr aufschlussreich sein kann!

Und wenn euch immer noch Zeit für Traumarbeit und entsprechende Neugier bleibt, könnt ihr in dem  eingebauten, detaillierten Traumsymbol-Wörterbuch der Anwendung DreamsCloud (in englischer Sprache) stöbern. Wobei jegliche Deutungsversuche mit Vorsicht zu genießen sind. Eine Tomate kann für verschiedene Träumer etwas komplett anderes bedeuten. Verlasst euch in erster Linie auf eure zuverlässigere Intuition!

Experimentiert und entdeckt das beste Traumtagebuch-System für euch!

Bild: © ra2 studio / Fotolia.com

Ordnung in die Traumwelt bringen

 

Isolated Tornado

Einer der spannenden Aspekte bei der Führung eines Traumtagebuchs ist die kontinuierliche Analyse der eigenen Traumlandschaft. Wenn ihr ein physisches oder elektronisches Tagebuch eine Weile fleißig mit Einträgen füllt, werden typische Traumzeichen ersichtlich. Bei mir hat sich deren Einteilung nach dem System von einem der Klartraumforschungspioniere, Stephen LaBerge, als besonders einsichtsreich erwiesen. Er schlägt die Sortierung der Traumsymbole und -tätigkeiten in folgende Kategorien vor (LaBerge 2014: Kap.2: Eine Liste an Traumzeichen):

  • Inneres Bewusstsein = Traumzeichen, die eine ungewöhnlich (intensive) Gefühls- oder Gedankenwelt widerspiegeln (von Liebe bis Ärger / Wut)
  • Handlung = das Verhalten der Figuren und aller anderen Organismen bzw. Gegenstände fällt aus dem Rahmen (in einem meiner luziden Träume sah ich z. B. einen Dinosaurier an mir vorbeilaufen)
  • Form = kann eigenes Aussehen oder das einer Traumfigur, die Beschaffenheit der Objekte bzw. Schauplätze betreffen (auf dem Weg zur Luzidität steigerte sich meine Beobachtungsfähigkeit und ich bemerkte beispielsweise, dass ich eine grüne (!) Haarfrisur im Traum trug)
  • Kontext = Ort oder Traumsituation erscheinen seltsam, Vergangenheit- oder Zukunftsträume, unrealistische Rollen werden eingenommen (ehemalige Schulkameraden / Arbeitskollegen / Kommilitonen und die passenden Schauplätze dazu)

Zusätzlich gliedere ich meine Traumzeichen wie der Traumforscher, Daniel Love, in persönlich gefärbte Kategorien (Love 2013: Kap.4: Dream Signs: Getting Started), beispielsweise:

  • Starke Emotion (ich wundere mich sehr oft im Traum oder bin überrascht)
  • Ding der Unmöglichkeit (vom Treffen eines Schauspielers nach dem Fernsehprogramm am Abend bis Tornados , die ich vom Fenster aus beobachte)
  • Lernen (Schule, Universität, Prüfungen und Ähnliches)
  • Fliegerei (Fliegen an sich; mein früherer Arbeitsplatz und alles was damit zusammenhängt)

Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Legt die Kategorien zuerst möglichst grob fest und konkretisiert diese, sobald außergewöhnlich häufig auftretende Traumzeichen in Erscheinung treten. Ihr könnt sogar eine Liste mit den persönlichen »top ten« eurer Traumzeichen anlegen!

Mit diesen Vorgehensweisen schafft ihr eine solide Basis für eure künftigen Realitätstests im Wachzustand, die euch effektiv zur Luzidität verhelfen können.

 

Quellen: Bild: © Lonely / Fotolia.com
LaBerge, Stephen (2014): Träume, was du träumen willst: Die Kunst des luziden Träumens, [Kindle Edition], München: Münchner Verlagsgruppe GmbH, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Love, Daniel (2013): Are you Dreaming?: Exploring Lucid Dreams: A Comprehensive Guide, [Kindle Edition], Enchanted Loom Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Traumbewusstsein erhöhen

Hand writing the text: New Mindset - New Results

Einige Menschen behaupten hartnäckig, dass sie keine Träume haben. Was so nicht stimmen kann, denn wir träumen sowohl in den REM- wie auch gelegentlich in den NREM-Phasen mehrmals pro Nacht! Der Unterschied liegt in der Beachtung bzw. Ignoranz, die man dem eigenen Traumbewusstsein entgegenbringt. Nicht jeder ist dazu bereit, sein Traumgedächtnis wie eine Leiter hochzuklettern und Traumfragmente einem Puzzlespiel ähnlich zusammenzufügen. Es erfordert eine gewisse Anstrengung mit einen triftigen Grund bzw. eine Freude an der Erkundung der eigenen Traumwelt.
Als wichtigstes Hilfsmittel zur Erhöhung des Traumerinnerungsvermögens dient die Führung eines Traumtagebuchs.

Wie durch eine Zauberformel festigt sich mit regelmäßiger Praxis die Fähigkeit, die eigenen Träume zu rekonstruieren. Ich selbst habe es mir angewöhnt, meinen Wecker fünf Minuten früher (als geplant) zu stellen. Somit kann ich beim Aufwachen in Ruhe darüber nachdenken, was ich gerade geträumt habe und die wichtigsten Stichworte in meinem Traumtagebuch dazu notieren. Einen ausführlicheren Eintrag verfasse ich einige Zeit später beim Morgenkaffee oder während des Frühstücks.
Trotz allgemein zuverlässiger Traumerinnerung kann die Prozedur ab und zu anstrengend werden. Du wachst mitten in der Nacht spontan oder erzwungenermaßen durch den Wecker früh morgens auf und … es liegt dir förmlich auf der Zunge. Dass du etwas geträumt hast. Aber was war es bloß noch einmal? Wie ein Morgennebel verflüchtigt sich die Erinnerung zunehmend.
Auch für solche Misslagen gibt es hilfreiche Tipps: Ich selbst habe gute Erfahrungen damit gemacht, direkt nach dem Aufwachen in der gleichen Körperposition zu bleiben. Dabei blende ich alle Dinge bis auf den vergangenen Traum aus. Schon ein kurzes Fragment, eine Szene, spontane Gedanken oder Körperempfindungen können ausreichen, um die Traumspur erfolgreich aufzunehmen. Falls jeglich Assoziation fehlt, könntest du dich fragen, wie du dich gerade fühlst und nach den möglichen Gründen dafür forschen (LaBerge 2014: Kap. 2: Machen Sie sich mit Ihren Träumen vertraut). Zumindest solltest du immer deine Schlafdetails und Stimmung im Traumtagebuch festhalten (Love 2013: Kap.4: Dream Recall). Denn auch nur mit den vereinzelten Einträgen wie »ohne Erinnerung« widmest du deiner Routine trotzdem die entscheidende Aufmerksamkeit, die sich immer mehr auszahlt.

Aber setze dich nicht allzu sehr unter Druck: Von Zeit zu Zeit kommen Erinnerungsstücke aus dem letzten Traum wie durch ein Wunder während des Tages, wenn du dich gar nicht damit befasst. Konzentrieren und gleichzeitig loslassen lautet hier die Devise – mit einer beträchtlichen Portion Disziplin, die du dir bis zum Automatismus antrainieren musst. Vor allem zu Anfang kann dich die Bequemlichkeit, nichts aufzuschreiben, übermannen. Eine kräftige Motivationsbremse könnten auch die Umstände bilden, durch äußere Einflüsse aufgeweckt worden zu sein. In diesen Fällen kann die Erinnerung einfach verpuffen, ohne dass du etwas dagegen unternehmen kannst. Dann heißt es immer wieder: Kopf hoch und am Ball bleiben.
Für diejenigen, die nicht davor zurückschrecken, sich in der Nacht freiwillig aufwecken zu lassen: Mit der sogenannten »90-Minuten-Technik« kannst du deine Traumerinnerung schnell drastisch verbessern. Dazu stellst du nach dem Zubettgehen den Wecker in 90 Minuten-Intervallen. Der Grund dafür besteht darin, dass ein Schlafzyklus rund 90 Minuten dauert und gegen das Ende die REM-Phase auftritt, in der man für gewöhnlich am lebhaftesten träumt. Ziel ist, mit frischer Erinnerung direkt aus dem Traum aufzuwachen (Morley 2013: Kap.7: The Multiple Wake-Ups Technique). Für mich als Frühaufsteher beispielsweise sind aufgrund deren längerer Traumdauer insbesondere die Abschnitte nach 4,5 Stunden bzw. die letzten beiden Stunden des Schlafzyklus fürs (luzide) Träumen interessant.
Mit Übung erinnerst du dich mühelos an mehrere Träume pro Nacht und dein Traumgedächtnis lässt dich auch dann nicht im Stich, wenn du sehr wenig geschlafen hast. Wenn du das luzide Träumen erlernen willst, ist eine gut funktionierende Traumerinnerung unentbehrlich und neben den Realitätstests das unverzichtbare Werkzeug auf dem Weg zu Luzidität. Erst solltest du die Grundlagen beherrschen, bevor du dich mit irgendeiner der zahlreichen Techniken fürs Klarträumen verwirrst.

Ein bedeutsamer Ratschlag für deinen täglichen Einschlafprozess lautet:
Schärfe deine Einstellung zum Traumbewusstsein, indem du deinen Erfolg visualisierst und deine Absicht festlegst (Tuccillo, Dylan, Jared Zeizel und Thomas Peisel (2013): Kap.6: Going to Sleep). Sage dir:

Heute Nacht erinnere ich mich an alle meine Träume.

Quellen: Bild: © gustavofrazao / Fotolia.com

LaBerge, Stephen (2014): Träume, was du träumen willst: Die Kunst des luziden Träumens, [Kindle Edition], München: Münchner Verlagsgruppe GmbH, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Love, Daniel (2013): Are you Dreaming?: Exploring Lucid Dreams: A Comprehensive Guide, [Kindle Edition], Enchanted Loom Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Morley, Charlie (2013): Dreams of Awakening, [Kindle Edition], London: Hay House UK Ltd, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Tuccillo, Dylan, Jared Zeizel und Thomas Peisel (2013): A Field Guide to Lucid Dreaming: Mastering the Art of Oneironautics, [Kindle Edition], New York: Workman Publishing Company, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].