Zur Schattenintegration im Klartraum

Mann mit Kapuze

© eyeQ / Fotolia.com

Anhand meines letzten Traumberichts im LDE-Magazine-Artikel könnt ihr den möglichen Ablauf einer Schattenintegration mitverfolgen, die mich unerwartet während eines zu Beginn »harmlosen« lucid surrender-Versuchs traf.

Ich hatte zwar bereits Kenntnisse darüber gesammelt, was eine Schattenintegration ausmacht und wie sie im Idealfall abläuft, dennoch geschah sie vollkommen unbeabsichtigt und erforderte eine Menge Mut meinerseits, nicht

das Weite zu suchen oder schlichtweg aufzuwachen, um den plötzlichen Alptraum zu beenden.

Daher würde ich einem Klartraum-Anfänger von den Experimenten mit »lucid surrender« abraten.

Es muss natürlich nicht zur Schattenintegration kommen, wenn man sich bewusst dem Traum ergibt, aber man weiß ja nie, was im Traum hinter den Kulissen lauert. Ich habe die Situation vermutlich nur dadurch meistern können, weil ich langjährige Klarträumerin bin und zudem hin und wieder mit luziden Alpträumen zu kämpfen habe, die mehr oder weniger für die möglichen Schrecken der Traumwelt »abhärten«.

Auch sollte man bedenken, dass (Klar-)Träume im Nachhinein oftmals symbolisch zu betrachten sind. Dann erweist sich beispielsweise das Auftauchen des Kapuzenmannes bzw. des Todes im Unglück oder in einer scheinbar ausweglosen Situation als die Hilfestellung eines weisen Ratgebers (Vgl. Tholey und Utecht 1987: Kap. 6).

Unter dem Begriff »Schatten« wird in der Psychologie nach dem Konzept von Carl Jung der verdrängte Anteil des Unterbewussten verstanden, der trotz Ablehnung angenommen werden will, damit wir uns zu vollkommeneren Persönlichkeiten entwickeln. Nur durch die Integration des Schattens, von dem wir glauben, dass er nicht zu uns passt und ihn daher bewusst unterdrücken, kann die Heilung zum Ganzen erfolgen. Eine Schattenintegration kann demnach zu einer persönlichen Transformation des betroffenen Träumers hinzugerechnet werden und zählt laut Charlie Morley zu den höchsten Klartraum-Praktiken (Morley 2013: Kap.4).

Ich möchte nun den von mir im Artikel beschriebenen Vorgang mit Hilfe der Analyse aus der multidimensionalen Traumarbeit genauer beleuchten. Dort deute ich darauf an, herausgefunden zu haben, dass ich mich im ersten alchemistischen Stadium »Nigredo« einfand.
Damit diese erste von insgesamt vier Phasen erfolgreich beendet werden kann, muss der Träumer bestimmte alchemistische Operationen über sich ergehen lassen, die ihr u.a. an meinem Traumbericht erkennen könnt:

  • Solutio = Reinigung durch Wasser
  • Calcinatio = Reinigung durch Feuer
  • Coagulatio = Reinigung durch die Erde
  • Sublimatio = Reinigung durch Luft
  • Separatio = Trennung
  • Mortificatio = Tod
  • Coniunctio = Vereinigung / Heirat

In der multidimensionalen Traumarbeit durchläuft der Träumer stets die folgenden charakteristischen Schritte in der genannten Reihenfolge, um eine Transformation zu vollenden:

  • Reinigung (Ermöglichung der Transformation),
  • Heirat (Vereinigung von Gegensätzen in der Psyche des Träumers),
  • Tod,

der anschließend einer Wiedergeburt weicht und die nächste Transformationsphase ankündigt (Hamilton 2014: Kap.2 u.3).

Mich hat zur damaligen Zeit vor allem fasziniert, welche entscheidende Hilfe mir das Werk von Nigel Hamilton über die transpersonale Traumarbeit in Bezug auf meine (Klar-) Träume geleistet hat.

Ich bin zum Entschluss gelangt, dass diese Betrachtungsweise mir die Augen in Bezug auf zahlreiche meiner (Klar-) Träume die Augen geöffnet hat.

Ich verstand den Sinn des Geschehens und konnte meine Traumberichte chronologisch sortieren und nachvollziehen.

In diesem Traumzyklus traten auch mehrere gewöhnliche Träume auf, die sich der Reinigung verschrieben hatten. Dadurch entdeckte ich verdrängte Aspekte, die anscheinend noch immer unterbewusst an mir nagten und nun unter Wasserstrahlen (solutio) zum Vorschein kamen, wie heftige Auseinandersetzungen mit weit zurückliegenden Ex-Partnern, die weitere Klärung brachten. Ich fühlte mich zunehmend erleichtert, gewann wieder an ursprünglichem Selbstbewusstsein.

Welche Nachwirkungen sich bei mir nach diesem Klartraum einstellten:

  • Erstens wachte ich so gelassen auf, wie schon lange nicht mehr zu jener Zeit – auch wenn es auf den ersten Blick paradox klingen mag.
  • Zweitens verbreitete sich das Gefühl der Gleichmut in mir, das mir sofort dabei half, Ordnung in meine damaligen chaotischen Gedanken und Gefühle zu bringen. Diese Lebenseinstellung, sich nicht mehr aus der Bahn werfen zu lassen, ist mir nach diesem Ereignis langfristig erhalten geblieben.
  • Drittens habe ich beinahe aufgehört, die Kontrolle in der Traumwelt auszuüben und bin der Traumwirklichkeit offener gegenüber geworden.
  • Viertens, ich habe gelernt, was es heißt, loszulassen.

Ich profitierte in jeder Hinsicht von dieser Erfahrung.

Ich hoffe, dass ihr euch ebenfalls tapfer der Schattenintegration stellt, sollte sie euch unerwartet im Klartraum überrumpeln.

Und dass ihr ebenfalls darüber berichtet. Ihr wisst es schließlich bereits:

Ich wünsche mir, dass mehr Menschen über den seelischen Faktor im luziden Traum sprechen, der bis in die Wachwirklichkeit reichen kann.

Habt einen positiven Wochenstart und vor allem klare, bereichernde Träume, voller Standhaftigkeit! Weil …

»Standhaftigkeit braucht es sehr oft, denn die wirklich existenziellen Erkenntnisse über die eigene Person sind immer mit Schmerzen verbunden« (Tholey und Utecht 1987: Kap. 6).

Eure Alex

Quellen:
Enns, Alexandra (2016): Learning to Trust and Surrender to the Lucid Dream, in: Lucid Dreaming Experience Magazine, Vol.5, No. 2, S. 30-32.
Morley, Charlie (2013): Dreams of Awakening, [Kindle Edition], London: Hay House UK Ltd, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 11.09.2016]
Nigel Hamilton, (2014): Awakening Through Dreams: The Journey Through the Inner Landscape, [Kindle Edition], London: Karnac Books, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 12.09.2016]. 

Tholey, Paul und Kaleb Utecht (1987): Schöpferisch träumen. Wie Sie im Schlaf das Leben meistern: Der Klartraum als Lebenshilfe, Niedernhausen/Ts.: Falken-Verlag.

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