Im Porträt: Lucid Pygar

Retro style microphone

© phaitoon / Fotolia.com

Dieser Beitrag beinhaltet ein Interview mit einem engagierten Klarträumer sowie Blogkollegen, der sich unter dem Nickname »Pygar« im Klartraumforum verbirgt und einen gleichnamigen Blog führt. Mir gefällt daran vor allem der nüchterne, rationale Schreibstil des Autors, den auch ihr euren Augen und eurem Intellekt nicht entgehen lassen solltet :).

Ich bin dankbar für Pygars Offenheit und erfreut, euch die Ergebnisse

präsentieren zu dürfen:

1. Wie und wann bist du zum Klarträumen gekommen?
Eigentlich ganz zufällig. Ich habe mich schon immer sehr für Psychologie, Meditation und Bewusstseinserweiterung interessiert und viel darüber gelesen. Beim Stöbern in den Wikibooks sprang mir das „Wikibook Klartraum“ ins Auge. Das Thema hat mich sofort begeistert und ich habe mir noch am selben Abend Paul Tholeys Buch „Schöpferisch Träumen“ bestellt. Das war vor etwa zehn Jahren.
Einige Jahre vorher, so mit etwa 15 Jahren, als ich anfing mich intensiver mit Meditation zu beschäftigen, führte auch phasenweise Traumtagebuch. In dieser Zeit hatte ich einige spontane Klarträume, aber sehr selten. Vielleicht einen Klartraum in zwei Jahren.

2. Im Forum erwähnst du, dass du einen »linkshirnigen Zugang zum Klarträumen« aufweist. Was wäre ein charakteristisches Merkmal für diese Art von Wahrnehmung? Wie sehen deine Klarträume bzw. -ziele unter diesem Gesichtspunkt aus? Gab es Abweichungen bzw. Ausnahmen davon?
Diese Aussage bezog sich hauptsächlich auf meine Art, das Klarträumen zu lernen und zu trainieren. Mein Ziel ist es, möglichst viele Parameter zu finden, die die Klartraumfähigkeit beeinflussen, um so die Klartraumtechniken zu optimieren.
Mein persönliches Interesse liegt darin, genau zu beobachten, wie Klarträume entstehen und welche Bedingungen für Klarträume förderlich sind. Ich liebe es, Statistiken zu erstellen und versuche so herauszufinden, was den größten Einfluss auf die Klartraumhäufigkeit hat. Diese Herangehensweise liegt mir persönlich am meisten.
Die andere Herangehensweise, ich nenne sie mal analog die „rechtshirnige“ Herangehensweise, mit Träumen zu arbeiten, also sie kreativ zu nutzen, oder mit Traumbildern und Traumsymbolen zu arbeiten, führt zweifelsohne zu tiefgreifenden und sehr wertvollen Erfahrungen, die ich auch nicht missen möchte.

3. Du lieferst bereits seit geraumer Zeit originelle Beiträge im Klartraumforum ab. Inwiefern war deine eigene Klartraumfähigkeit in dieser Zeit Veränderungen unterworfen? Hat der Forum-Beitritt deine Luziditätsbestrebungen oder Ähnliches revolutioniert?
Ich denke, dass man eine Community beim Erlernen einer neuen Fähigkeit nicht unterschätzen sollte. Durch den Erfahrungs- und Ideenaustausch kommen unheimlich viele neue Ansätze zustande. Man profitiert vom Wissen anderer und gibt wiederum sein Wissen weiter. So vermeidet man, dass man das Rad mehrfach erfindet.
Durch das Lesen im Klartraumforum habe ich unglaublich viele Anregungen bekommen. Das Forum ist ein Hub und Wissenspool, aus dem ich gerne schöpfe.

4. Du organisierst nebenher auch noch monatliche Klartraumtreffen in Braunschweig. Was macht für dich den besonderen Reiz darin aus?
Bislang habe ich auf den Klarträumertreffen immer sehr angenehme und inspirierende Leute getroffen. Man kann über alles Mögliche und natürlich über Klarträume quatschen.
Der persönliche Kontakt macht den Austausch noch intensiver als das Lesen in einem Forum oder einem anderen sozialen Netzwerk.
Interessanterweise hat ein Treffen auf die Teilnehmer häufig den Effekt, dass sie in der Zeit nach dem Treffen eine häufiger Klarträume haben. Ein Klarträumer hat scherzhaft den Begriff „GILD“ aufgebracht: Der „Gathering Induced Lucid Dream“, also der durch das Klartraumtreffen erzeugte Klartraum.

5. Was hältst du von transformativen Prozessen / Spiritualität im Klartraum? Unfug oder nur für (normal Sterbliche) unerreichbare Auserwählte bestimmt?
Das Besondere am Klarträumen ist, dass man es in praktisch jedes Weltbild integrieren kann. Ich halte den Klartraum für das ideale Übungsfeld für alle im weitesten Sinne spirituelle Übungen. Ich denke, dass man im Klartraum mit sehr wenig Übungsaufwand und in sehr kurzer Zeit sehr beeindruckende und transformierende Erlebnisse haben kann. Charlie Morley sagte in einem Interview, dass eine Stunde Meditation im Klartraum etwa einem einmonatigen Meditations-Retreat im Wachleben entspricht. Deshalb würde ich jedem, der sich für Bewusstheit, Bewusstseinserweiterung und Transformation interessiert, das Klarträumen empfehlen.
Ich denke auch, dass im Umkehrschluss beim Klarträumen viele positive Prozesse in der Psyche angestoßen werden, sozusagen Persönlichkeitsentwicklung im Vorbeigehen.

6. Du bist in der Klartraum-Materie sehr belesen. Was stellt dein Lieblingswerk dar und aus welchem Grund?
Momentan lese ich „Lucid Dreaming – New Perspectives on Consciousness in Sleep” und bin begeistert. Es enthält Beiträge von aktiven Klartraumforschern, die das Thema von allen Seiten betrachten und neue Erkenntnisse teilen. Psychologisch, philosophisch, medizinisch, kulturell…
Es eignet sich wahrscheinlich mehr als Buch für fortgeschrittene Klarträumer oder für Leute, die sich schon viel mit dem Thema befasst haben.
Von den neuen Büchern gefallen mir „Klarträumen – Träume bewusst steuern – die Kreativität beflügeln – Probleme lösen“ von Dylan Tuccillo und „Dreams of awakening – Lucid Dreaming and Mindfulness of Dream and Sleep“ am besten. Sie sind beide sehr gut recherchiert und gehen tief ins Thema. Dabei lassen sie sich gut lesen. Charlie Morley ist als praktizierender Buddhist etwas spiritueller, Dylan Tuccillo und seine Mitautoren sind etwas wissenschaftlicher.
Am meisten geprägt hat mich Paul Tholeys „Schöpferisch Träumen – Der Klartraum als Lebenshilfe“. Die Traumberichte haben mich sehr beeindruckt. Der Traumbericht mit dem Mann am Bahnhof, der seinen Vater sucht, hat mich endgültig davon überzeugt, das Klarträumen lernen zu wollen. Die Herangehensweise, mit dem Traum bzw. dem Unbewussten kreativ und kooperativ umzugehen, ist meiner Meinung nach in keinem Buch so gut beschrieben.

7. Was zählt zu deinen Lieblingsbeschäftigungen im Klartraum?
Ich finde jeden Klartraum an sich schon sehr beeindruckend. Ich liebe dieses Gefühl der Leichtigkeit und der Euphorie. Am liebsten streife ich einfach umher oder spreche mit den Traumgestalten.

8. Arbeitest du derzeit am Lösen spezieller Herausforderungen in der (Klar-) Traumwelt?
Ich suche immer noch nach der ultimativen Klartraumtechnik, die man nur einmal anwenden muss und dann jederzeit beliebig lange Klarträume haben kann. 🙂

9. Wo und wie siehst du dich in der Traumwelt in 5 / 10 Jahren? Was willst du noch unbedingt erreichen?
Ich würde gerne eine Idee, ein Bild oder ein Lied aus der Traumwelt „mitbringen“. In naher Zukunft möchte ich eine Dakini im Klartraum treffen und sie nach der ultimativen Klartraumtechnik fragen.

10. Was würdest du einem »blutigen Klartraumanfänger« empfehlen, der das Klarträumen erlernen will?
In den letzten Jahren hat sich viel getan, so dass Anfängern heute ein viel breiteres, größtenteils frei zugängliches Wissen zur Verfügung steht.
Neue, vielversprechende Techniken wie SSILD wurden entwickelt, die die Zeit zum Erlernen des Klarträumens deutlich reduzieren können.
Auch auf dem Büchermarkt hat sich viel getan.
Einem Anfänger würde ich raten, sich wirklich gut einzulesen und sich die Informationen zum Klarträumen aus einer hochqualitativen Quelle zu holen.
Eine Community kann einen auch gut beim Lernen unterstützen und einem helfen, die Motivation zu behalten.

Ich danke dir für das informative Gespräch 🙂

Ich danke dir 🙂

Ein Klarträumer mehr in meinem Leben, der mich beeindruckt hat.
Und euch hoffentlich auch :).

Genießt den baldigen Start in die neue Woche und …
habt klare Träume!

Eure Alex

 

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