Vom Traumbewusstsein klar-gerüttelt

Mindfulness

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Im zweiten Teil der gestarteten Serie zur genaueren Auseinandersetzung mit der Traumwelt knüpfe ich hier direkt an den vorherigen Beitrag an, der sich u.a. mit »Luziditätsauslösern« bzw. »Traumzeichen«, wie sie oft in der Literatur bezeichnet werden, beschäftigte.

Ich kenne bis heute keine effektivere Methode, die ein erhöhtes Vorkommen der »spontanen« Luzidität

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Erinnerungsvermögen im Klartraum

Los geht’s mit der dreiteiligen Serie zum Kennenlernen der Traumwelt und stetiger Verbesserung der Klartraumfähigkeit!

In diesem Einstiegsbeitrag möchte ich euch dazu anspornen, ein Logbuch zum Erinnerungsvermögen in euren (Klar-)Träumen anzulegen und über einen längeren Zeitraum hinweg die eigenen geistigen Fähigkeiten zu beobachten.

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass sich dadurch nicht nur die Traumerinnerung steigert, auch begünstigt diese Verfahrensweise das häufigere Auftreten der Luzidität, weil ihr euch intensiver mit der für jeden (Klar-)Träumer individuell geprägten Traumwelt auseinandersetzt.

Dabei analysiert ihr eure Gedankengänge im Traum nach folgenden Warte, da kommt noch mehr

Klartraumfarben

Habt ihr auch irgendeine Schwäche in Bezug auf eines der zahlreichen, charakteristischen Klartraum-Phänomene?
Ich z. B. schwärme für die Farbenvielfalt eines luziden Traums und deren Intensität, die mich immer wieder aufs Neue fasziniert, innehalten und eine lange Zeit meine Umgebung beobachten lässt.

Im Besonderen bekomme ich weiche Knie beim Warte, da kommt noch mehr

Ein Reserve-Plan für die Traumwelt

Die erfahrenen Klarträumer mögen hier mit den Schultern zucken, weil dieser Zustand schon Ewigkeiten zurückzuliegen scheint …

Fakt ist jedoch, dass die Anfänger unter uns Klarträumern in eine dermaßen intensive Aufregung in der Traumwelt geraten, sobald sie Luzidität erlangen, dass die Erinnerung an die vorgenommenen Klartraum-Ziele aus dem Wachzustand wie ausradiert scheint.

Was passiert daraufhin? Man wacht auf …

  •  … weil man seine Gefühle (noch nicht) im Zaum halten kann und zudem auch noch ratlos wegen fehlendem Bezug zur physischen Realität ist.
  • … weil spontan zu viele Ziele einfallen, man sich für keines entscheiden kann und sich schließlich emotional überfordert.

Dem kann schon ein vorher formulierter und stets wirksamer »Reserve-Plan« Abhilfe leisten.

Darunter verstehe ich gewisse »feste« Ziele, die ein Klarträumer jederzeit verfolgen kann, unabhängig vom Erfahrungsgrad.

Dieser »Notfall-Plan« ist besonders hilfreich, wenn …

  • … man trotz Vergesslichkeit den Klartraum sinnvoll gestalten möchte.
  • … alle Ziele erfolgreich abgehakt wurden und der Klartraum noch andauert.
  • … kein Vorhaben zu funktionieren scheint und man sich stattdessen mit anderen »Hintergrund-Interessen« befassen möchte.

Ich stelle euch im Folgenden meine Lieblingsbeschäftigungen vor, auf die ich immer zurückgreifen kann:

  1. Mit dem Traumgeschehen mitschwingen:
    = als stiller Beobachter (fast) ohne Einflussnahme – das kann sich selbst für erfahrene Klarträumer schwierig gestalten, wenn sie nicht loslassen können, weil der »Kontrollzwang« über den Traum überwiegt. Auch kann der Luziditätsgrad hohen Schwankungen unterworfen sein, was sich durch Übung und Konzentration verbessert.
  2. Sich an das Höhere Traumbewusstsein wenden:
    Für mich das spannendste, aber auch das herausforderndste Thema. Ich habe erst begreifen müssen, wie wichtig es ist, seine Äußerungen genau zu formulieren und ggf. zu paraphrasieren, um eine Reaktion seitens des Traums zu bekommen. Außerdem ist das Fehlen jeglicher Erwartungshaltung unabdingbar, weswegen ich mich erst dann mit dem Höheren Traumbewusstsein zu beschäftigen begann, als ich die Regeln der Traum-Kontrolle effektiv beherrschte.
  3. Kontakt zu den Traumfiguren pflegen:
    D.h. Reden, befragen, Freundschaften schließen. Wo es notwendig wird: transformieren / integrieren.
  4. Umgebung erkunden:
    Mit der Neugier eines Kindes – alles anfassen, überall reinschauen, in Frage stellen, vergleichen.
  5. Portale entdecken / erschaffen:
    Ich liebe den Überraschungseffekt des »Irgendwo-Ankommens«. Ihr könnt aber auch Zielorte festlegen. Nutzt dazu:
    – Türen, Fenster etc.,
    – Wände,
    – »Luftlöcher«,
    – Fernseher,
    – Spiegel,
    – Böden (drin versinken),
    – Bäume (hinein- und herausklettern bzw. sie öffnen sich von allein)
  6. Fliegen:
    Geht immer – ob vorher, nachher oder zwischendurch.

Legt euch von vornherein eine besondere Aktivitäten-Liste zurecht, die euch stets im Hinterkopf begleitet und sich immer für eine unvorhergesehene Realisierung lohnt.

Davon profitiert ihr auf lange Sicht erheblich: Ihr wacht als Anfänger weniger frühzeitig auf und gewinnt noch mehr an Geschick als Fortgeschrittene.

Ein Reserve-Plan fördert ein routiniertes Verhalten in der Traumwelt, das vor allem in den plötzlichen Zwischenfällen von enormer Wichtigkeit werden kann.

Und zwar wenn es darum geht, unter allen Umständen Fassung zu bewahren.

Klarträumen heißt nicht immer Zuckerschlecken :)!

Ich wünsche euch erfolgreiche Ziel-Verwirklichungen,

Eure Alex

Kopf, Antworten, Wissen II

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6. Experiment: Hinter den Klartraum-Vorhang blicken

Interessiert es euch auch, was das authentische Bewusstsein eines Traums ausmacht?

Dann versucht die folgende Formel, die ich in der Literatur für euch aufgestöbert habe, im Laufe des August-Monats anzuwenden:

Zeig mir das Bewusstsein, das jenseits meiner Projektionen liegt.

Welche Wahrnehmungs-Dimension eröffnet sich euch dabei?

Klare Träume!
Eure Alex

Quelle: Waggoner, Robert und Caroline McCready (2016): Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein: So aktivieren Sie Ihr verborgenes Potenzial im Schlaf, Kap. 14,  [Kindle Edition], München: Wilhelm Heyne Verlag, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 18.07.2016].

Kompass zeigt auf das Wort Ziel

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Das höchste Klartraum-Potenzial (Ergebnisse zum 5. Experiment)

Ich habe mich dazu entschlossen, auch Mal einen sehr persönlichen, kürzlich ereigneten Klartraum mit euch zu teilen, der mir eine wichtige Erkenntnis für den Wachzustand lieferte.

Ich wurde erst gegen Ende der REM-Phase klar, nach mehreren Traum-Sequenzen:

… Ich sage im Lesesaal begeistert zu einem ehemaligen Kommilitonen: Ich finde es großartig, dass du beide Sprachen so wunderbar flüssig sprichst!1

Während er mir eine mitreißende Antwort gibt, dämmert es mir plötzlich,

dass ich mich daran erinnern wollte, dass ich träume!2

Aufgrund meiner inneren Aufregung beginnt die Traumszene zusammenzubrechen. Ich halte meine Augen geschlossen und steige augenblicklich erneut in den Lesesaal ein (DEILD), um Zeuge zu werden, wie eine neue Traumszene entsteht und ich diesmal bei voller Geschwindigkeit in der Gruppe auf dem Rad in der Natur rase.3

Mir wird bewusst, dass der Traum bald enden könnte, da ich ihn ohnehin schon verlängert habe. Daher bremse ich scharf ab, lasse die anderen vorbeiziehen, lege mein Rad auf die Seite und rufe mein Ziel energisch in Richtung Himmel aus:

Zeig mir das höchste Potenzial dieses Klartraums!

Dann passiert etwas Unerwartetes.4

Mich überkommt eine Leidenschaft, wie ich sie noch nie gespürt habe – zu nichts und zu niemandem.

Und ich sehe aus der dritte-Person-Perspektive zu, wie ich barfuß auf der saftig-grünen Wiese neben dem Radweg zu tanzen beginne.

Ich platze beinahe vor so viel Energie, die durch mich strömt und mittels Pirouetten sowie Kapriolen nach außen dringt.5

Es ist mir gleich, ob ich in dieser Extase aufwache, weil ich mich nicht zurückhalten will, während ich einen graziösen Spagatsprung nach dem nächsten absolviere. Das Gras fühlt sich unglaublich weich und gleichzeitig kitzelig an…

***
Als ich schließlich aufwachte, begriff ich, dass das höchste Potenzial

in mir selbst war und auf eine kreative Art, d.h. durch eine kunstvolle Bewegungsform, zum Ausdruck kam.

Und da genau diese Themen in meinem Leben in jenem Augenblick so entscheidend waren (Kreativität und Ausdruck), wusste ich, dass mir dieser Klartraum wie kein anderer verdeutlichte, dass ich alle Zweifel ablegen sollte, denn alles, was ich für meinen Weg benötigte, war bereits in mir angelegt, mir inne und könnte auf Wunsch geäußert werden.
Ich verspürte nicht nur ein fiebriges Zittern6, sondern fühlte mich stark und selbstbewusst.

Ich empfehle euch, meine Formel zu versuchen, die ursprüngliche von Stephen LaBerge habe ich geringfügig abwandeln müssen, da sie in meinem Fall wortwörtlich nicht funktionierte und ich erst beim zweiten Anlauf in einem anderen Klartraum damit Ergebnisse erzielen konnte.

Wo befindet sich das höchste Potenzial eures Klartraums?

Berichte sind höchst erwünscht und immer willkommen.

Eure Alex

Kommentare:

1.Wachleben: Auch ich bin zweisprachig aufgewachsen – mein Studium war ebenfalls bilingual aufgebaut.

2.Ich praktizierte vorher MILD.

3.Wachbezug: Den Tag vorher war ich tatsächlich auf einer herrlichen Fahrradtour unterwegs zwischen Feldern und Wiesen und unter schönstem Sonnenschein :).

4.Vielleicht denkt ihr so wie ich vorher im Wachzustand, dass es zum spektakulären Szenenwechsel kommen müsste, wenn man diese Worte spricht …

5.Ich war zwar in der Tanzschule als Teenager, aber ich hatte nie Erfahrungen mit Ballett-Figuren gemacht. Und das Tanzen an sich ist auch schon über ein Jahrzehnt her ;).

6…., das wohl alle Profitänzer nach ihrem Bühnenauftritt empfinden, ich hatte stets Respekt vor dieser physischen und mentalen Belastbarkeit.

Ballerina in a vineyard in Tuscany.

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