Hypnagogia erleben lernen

In dieser zweiteiligen Reihe möchte ich euch an mein inzwischen begehrenswertestes Phänomen heranführen – Hypnagogia.
Darunter versteht man die besondere Bewusstseinsform zwischen Wachzustand und Schlaf, die mit dem verstärkten Auftauchen von Formen und Bildern vor dem geistigen Auge zusammenhängt. Es ist kein Geheimnis, dass im Verlauf der Geschichte Schriftsteller und Wissenschaftler diesen Zustand als Kreativitätsquelle für ihre bahnbrechenden Erfindungen nutzten. Die Klarträumer unter euch, vor allem die »WILD«-Typen werden bestätigen, dass man kaum um Hypnagogia herumkommt, wenn man sich ohne Unterbrechung in den Klartraum begeben möchte oder eine bestimmte Szene visualisieren will, die als Ausgangspunkt für eine luzide Reise dienen soll (VILD).

Doch mit Hypnagogia könnt ihr weit mehr anstellen, als sie nur als vorübergehende Erscheinung vor tiefergehenden Meditationen, Klarträumen und AKEs zu registrieren. Durch Experimente stellte ich fest, dass dieses Phänomen eine Analyse an sich selbst wie keine andere Technik ermöglicht. Die Arbeit mit Hypnagogia lässt sich im Voraus programmieren und öffnet euch bei Wunsch interessante Einblicke in die möglicherweise verborgenen Winkel eurer Psyche. In diesem Zustand erfahrt ihr z.B., was euch im Alltag und im Unterbewussten beschäftigt, ängstigt und motiviert. Ganz allgemein erlebe ich immer wieder verinnerlichten Leseinhalt in symbolischer Form, hängengebliebene Filmszenen,  Tageseindrücke und mir nahestehende Personen zu Anfang einer jeden »Hypnagogia-Sitzung«.

Wie aktiviert man am besten die ersten Hypnagogia-Erlebnisse?

Vor einigen Jahren wurde ich zufällig im Laufe einer geführten MP3-Meditation mit Hypnagogia konfrontiert. Erstaunt stellte ich fest, dass sich nach rund 10 Minuten bunte Farbwolken vor meinen geschlossenen Augen bildeten, die sich fröhlich umkreisten, verschlangen und vermischten. Der Beginn meiner Faszination für dieses Phänomen wurde eingeleitet. Noch hatte ich keine Ahnung, dass diese kaleidoskopartigen, geometrischen Formen zu mehr Flexibilität in der Lage waren. Ich beschloss vorerst, das Meditieren zu erlernen. Auch heute noch ist die Atemmeditation meine Lieblingstechnik zum Klarträumen. Geholfen haben mir die »guided breathing meditations« von den Buddhisten-Profis aus dem Westen. Ich liebe die Stimme Jack Kornfields – seine Intonation allein hat mich in einen Zustand voller Wonne versetzt. Keine Stimme hat mich bisher mehr berührt. Abgesehen davon, dass ich dabei viele grundlegende Tipps für das richtige Durchführen der Atemmeditation auf meinen Weg mitbekam.1

Ich kombinierte WBTB mit MNM (middle of the night meditation, vorgestellt von Scott Sparrow) und erlebte meine ersten, »richtigen« DILDs. Dazu reichte es für mich aus, nach 4,5 oder 6 Stunden Schlaf rund 10 Minuten mit Jack Kornfields Stimme in den Ohren zu meditieren. Darauf gleitete ich entweder affirmierend mit fester Klartraum-Absicht in den Schlaf, »zählte mich in den Klartraum hinein« (counting technique von LaBerge), oder visualisierte im hypnagogen Zustand möglichst lebhaft meinen Lieblingsrealitätstest (Betrachten meiner Hände), bis ich auch hier das Bewusstsein verlor. Der palm check übertrug sich oft unerwartet in den Traum hinein, sodass ich freudestrahlend frohlockte: Ich träume! Und sogleich stabilisierte: »Ruhig bleiben!« 😉 Auch das Zählen nahm bei meinen ersten erfolgreichen Versuchen die überraschendsten Formen an. Als ich z. B. unter Aufgeben beim Zählen »1 – ich träume, 2 – ich träume, …« eingeschlafen war, donnerte im Traum eine ohrenbetäubende Stimme in derselben mechanischenTonlage, wie ich sie bei der Technik angewandt hatte.

»ICH TRÄUME!«

Während einer harmlosen Unterhaltung mit ehemaligen Kommilitonen bekam ich danach nicht nur den Traum-Schreck meines Lebens, auch wachte ich sofort auf 😉 .

Ich nutze auch heute noch den »Insight Timer« für meine Meditationsrunden am Nachmittag, den ihr sowohl auf Android als auch auf iOS installieren könnt. Nur zu empfehlen, wenn ihr in die Meditation einsteigen oder euch angepasste Zeitlimits setzen wollt.

Mit zunehmender Meditationspraxis flackerten im hypnagogen Zustand vereinzelte Bilder und Symbole auf, die sich allmählich zu ganzen Traumszenen zusammenfügten. Inzwischen meditierte ich seit 1,5 Jahren ohne »Anleitungshilfe«. Bald fasste ich den Entschluss, einen WILD zu versuchen. Durch Meditation hatte ich schrittweise die notwendige Konzentration erreicht, Hypnagogia passiv zu folgen, bis mich eine besonders klare Traumszene in sich hineinzog oder ich aus dem physischen Körper in eine AKE geschleudert wurde. Es war sehr gewöhnungsbedürftig, aber es machte ungeheuren Spaß, weil ich jedes Mal offen ließ, was ich als Endergebnis erleben wollte.

Das ist der eigentliche »Trick« bei Hypnagogia:

Wenn ihr nicht an ihr festhält, dient sie als eine ausgezeichnete Basis für eure Klartraum-Techniken.

Versucht, am besten emotionslos geradeaus »durch sie hindurch zu schauen«. Dadurch werden die Sequenzen immer realistischer.

Widmen wir uns jetzt dem eigentlichen Thema zu: Hypnagogia studieren.

Versucht möglichst viele Einzelheiten zu erkennen.

Aber Achtung:

Betrachten ist nicht immer gleich Betrachten.

Es kann auch passieren, dass euch ein hypnagoges Bild plötzlich mitten in der Nacht in den Klartraum hineinzoomt. Was mich persönlich immer wieder freut.

Ansonsten befördert mich diese Taktik oftmals in die dunkel unterlegte »Void«, in der ich mich meditierend mit meiner »Innenwelt« auseinandersetze. Beeindruckt verweilte ich schon Mal ganze zwei REM-Zyklen darin.2 Auch gehe ich immer gerne in diese schwer definierbare Grenze zwischen Traum und Realität, um zur Ruhe zu kommen. Hier mobilisiere ich meine Kräfte, kommuniziere mit meinem Unterbewussten und lasse auf Wunsch Klarträume entstehen.

Wie bei jeder Praxis gilt auch hier:

Nicht sofort zu viel erwarten. Behutsam herantasten. Langsam steigern. Übung macht den Meister.3

Betrachtet das Wahrnehmenlernen von Hypnagogia als ein Training zum Ausdauerlauf. Keiner ist gleich 10 km ohne Ruhepausen gejoggt.

Wenn ihr euch bemüht, immer länger dem Prozess des Einschlafens zu folgen und diesen allmählich hinauszögert, werden hypnagoge Bilder auch auftauchen.

Einige haben nicht Mal die Kenntnis von deren Existenz, weil sie sofort ins Schlafkoma fallen, sobald sie mit einem Kissen in Berührung kommen. Ich habe diese Menschen immer beneidet, weil ich zu den »Grübel-Typen« gehöre. Ich brauche mindestens eine halbe Stunde, bis ich in der Lage bin, den vergangenen Tag loszulassen. Auch wache ich nach jeder REM-Phase in der Nacht auf. Im Nachhinein hat sich diese »Fähigkeit« zu einer Schatzgrube für potenzielle Klarträume gewandelt.

Mein zusammenfassender Rat zum Abschluss, bevor ich euch im nächsten Beitrag verrate, wie ich mehr als nur »Bilderkram« aus Hypnagogia schöpfe:

Legt Neugierde an den Tag, wenn ihr dabei seid, in die Traumwelt zu schlittern. Schaltet den Autopiloten ab. Lernt Hypnagogia kennen.

Eure Alex

 

1.Beim Schreiben habe ich Sehnsucht nach MNM mit Jack Kornfield bekommen. Jetzt wisst ihr, was ich heute Nacht vorhabe 😉

2. Vermutlich bin ich inzwischen eine Art Hypnagogia-Freak 😉

3.Hat mich an vergessene Romantik-Szenen erinnert 😉

 

Hypnagogia

 

 

 

 

 

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