Realitätstests mit Sinn

Neben der Traumtagebuch-Führung gehören die Realitätstests zum wichtigsten Werkzeug eines Klarträumers. Auch wenn die sogenannten reality checks in Theorie recht einfach und unkompliziert klingen, gelingt es nicht allen, sie vom Wach- in den Traumzustand zu überführen.

Doch warum ist es so?

Die Antwort liegt auf der Hand :

Wenn wir im Leben etwas halbherzig durchführen, oder noch schlimmer, automatisch über uns ergehen lassen, können wir nicht davon träumen.

Habt ihr euch schon Mal etwas so sehr gewünscht, sich Tage lang bis zum Einschlafen damit beschäftigt, so sehr auf die Post gewartet, dass sich euer Wunsch im Traum manifestiert hat? Ich habe oft solche Träume. Auch tauchen in meinen Träumen bestimmte Themen bzw. Symbole aus intensiv verarbeitetem Lesestoff am Vortag auf.

Eine ähnliche Begeisterung ist auch bei Realitätstests notwendig.

Es reicht nicht aus, mal kurz einen Check zu machen. Dann kann man es genauso sein lassen und seine Zeit anders gestalten.

Was sind die Knackpunkte bei einem Realitätstest?

Die Auslöser, die richtige Einstellung, die Dauer, die Häufigkeit und die Analyse der Umgebung.

Eine Minute könnte einer von mindestens zehn täglich sorgfältig ausgeführten Realitätstests schon dauern. Stellt euch vor, dass ihr, einem Detektiv ähnlich, mit einer unsichtbaren Lupe und einer gesunden Portion Neugier, die unmittelbare Gegend untersucht: Was fällt euch auf? 

Der Klartraum-Experte Daniel Love weist darauf hin, dass man dabei berücksichtigen soll, wie viel Zeit wir eigentlich im Schlaf verbringen und wie täuschend echt sich das Erlebte im Klartraum anfühlen kann. Erst nach dem Aufwachen stufen wir diese Erfahrungen als irreal ein.

Wenn ihr einen luziden Traum hattet, wisst ihr, dass es kein Hirngespinst ist, die Wirklichkeit regelmäßig zu hinterfragen.

Auch ist es sehr hilfreich, während eines Realitätstests anzunehmen, dass ihr wahrscheinlich träumt. Damit verhindert ihr eine indirekte Programmierung, dass ihr wach seid, sodass die Wirksamkeit des Tests insgesamt abgeschwächt wird.

Sucht eure Umgebung besonders nach Zeichen von Unstabilität ab (Love 2013: Kap.3: Reality testing).

Auch ich bemühe mich jedes Mal, irgendeine digitale Uhranzeige zu entdecken bzw. einen Text jeder Art, welcher sich auf einem Blatt Papier, Buch, Plakat usw. befinden kann. Beim zweiten Hinsehen ändern sich die Zahlen bzw. Buchstaben dermaßen, dass es Klick macht. Das ist ein Traum!

Aber auch wenn ihr durch die Realitätstests allein keinen DILD erlebt, ist deren Praxis im Wachzustand eine Pflicht eines jeden Klarträumers. Nach meiner Erfahrung führe ich immer die geübten Tests aus, auch wenn ich sie nach einem WBTB / WILD usw. im Traum anwende. Außerdem sind sie wichtig, um die Klarheit im luziden Traum aufrechtzuerhalten bzw. um diesen zu stabilisieren.

Führt daher täglich eure gewählten Realitätstests durch.

Mein Lieblingstest ist der palm check – das Betrachten meiner Hände. Aber er ist unzuverlässiger, wie ich bereits mehrmals feststellen konnte. Manchmal konnte ich im Klartraum nicht beurteilen, ob meine Hände normal aussehen. Das endete damit, dass ich einen anderen Test dran hängen musste. Oder, wie im Falle eines WILDs, einfach mit den Schultern zuckte. Wenn ihr den Traum bewusst betritt, braucht ihr den Test oftmals nicht, weil es von Anfang an eindeutig ist, dass ihr träumt. 

Macht euch also mindestens zwei Realitätstests zur Gewohnheit.

Doch wann ist der beste Zeitpunkt für einen Realitätstest? Was könnte bzw. sollte ihn hervorrufen? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten und es wäre großartig, wenn ihr alle beherzigen könntet (Love 2013: Kap.3: Reality testing):

  • spontaner Wunsch, einen Realitätstest zu machen,
  • beim Bemerken eurer persönlichen Traumzeichen aus dem Tagebuch – könnten Personen / Gegenstände / Tätigkeiten oder bestimmte Emotionen darstellen,
  • Zufälle,
  • Dejà-Vues,
  • generelle Gefühlsausbrüche im Wachzustand,
  • Versuch der Rechtfertigung einer bestimmten unnatürlichen Begebenheit,
  • Gespräche über (Klar-)Träume.

Um mich nicht mit den Tests zu überladen, nutzte ich als Einstiegstechnik die Weird Technique Charlie Morleys (Morley 2013: Kap.5: The Weird Technique):

Wenn etwas (weird) sonderbar läuft, macht einen Realitätstest. Seid aufmerksam in eurer Wahrnehmung.

Ich führe den Test auch durch, wenn mir jemand generell etwas Komisches / Merkwürdiges erzählt. Auch versuche ich stets, eine luzide Geisteshaltung (lucid mindset) im Alltag zu pflegen. Das bedeutet, ich stelle mir immer wieder die Frage:

Wo bin ich gerade?

Da ich in meinen Träumen oft irgendwo anders bin, als im Wachzustand, ist die Frage berechtigt.

Nach Robert Waggoners Empfehlung lässt sich die mentale Geisteshaltung auf folgende Lebensbereiche übertragen (Waggoner und McCready 2016: Kap.3: Paul Tholeys Kritisch-reflektierende Technik):

  • Lokalität: Wo bin ich gerade?
  • Gedächtnis: Was tat ich gerade?
  • Kritisches Überlegen: Träume ich gerade?

Beschäftigt euch mehrmals am Tag mit der ausgesuchten Frage. Nach einer gewissen Zeit sickert diese mentale Routine in das Traumgeschehen.

Wie fleißig ich in Bezug auf die reality checks bin, manchmal werde auch ich bequem und gerate in Versuchung, sie auszulassen.

In solchen Fällen hat mich mein großartiger und unvermeidlicher Weckruf auf die richtige Fährte zurückgebracht. Ein charakterististischer Gegenstand, welcher an die Tests erinnern soll, wird auch als ein Totem bezeichnet (Tuccillo, Dylan, Jared Zeizel und Thomas Peisel 2013: Kap.8: The Reality Check: Totem).

Ich verwende den Kreisel aus Inception, meinem Lieblingsfilm mit Klartraumbezug. Diesen habe ich im Bad auf der Ablage platziert, neben einem Zahnputz-Timer mit digitaler Uhranzeige und einer Flasche Hautmilch mit viel Text. 

Wenn ich im Bad bin, läuten die Alarmglocken, sobald ich den Kreisel sehe.

Ich checke daraufhin sofort die Uhrzeit und den Text auf der Kosmetik-Flasche. Das erinnert mich auch wieder daran, die Umgebung nicht nur im Bad zu analysieren.

Zusätzlich drücke ich stets meine Hand gegen eine scheinbar feste Oberfläche wie Wand / Schrank / Tisch (im Traum versinkt die Hand wie in Butter darin).

Das war’s eigentlich. Nicht schwer, oder?

Zur Übersicht eine knappe Checkliste zum Aufhängen oder Merken:

  • 1. Lucid mindset – Frage stellen (spontan / durch Totem / merkwürdiges Ereignis / Traumzeichen)
  • 2. Die Frage beantworten. Wenn unverdächtiger Ort, Gegend absuchen nach a) geschriebenem Text und b) Zahlen.
  • 3. Zahlen / Text betrachten, wegschauen, noch Mal ansehen. Frage: Träume ich? beantworten.
  • 4. Wenn alle Stricke reißen oder in der Dunkelheit: nose pinch (Nase zukneifen – im Traum kann man durch die Nase atmen) / thumb check (rechten Zeige- und Mittelfinger durch die linke Handfläche drücken – im Traum passieren die Finger die Hand)

Werdet kreativ! Erfindet eigene Anstupser, die euch im Traum aus dem fiktiven Alltagstrott befreien!

Klare Träume!

Eure Alex

Mein Realitätstest

 

Quellen:
Love, Daniel (2013): Are you Dreaming?: Exploring Lucid Dreams: A Comprehensive Guide, [Kindle Edition], Enchanted Loom Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016].
Morley, Charlie (2013): Dreams of Awakening, [Kindle Edition], London: Hay House UK Ltd, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016
Tuccillo, Dylan, Jared Zeizel und Thomas Peisel (2013): A Field Guide to Lucid Dreaming: Mastering the Art of Oneironautics, [Kindle Edition], New York: Workman Publishing Company, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016].
Waggoner, Robert und Caroline McCready (2016): Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein: So aktivieren Sie Ihr verborgenes Potenzial im Schlaf, [Kindle Edition], München: Wilhelm Heyne Verlag, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016].

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