Wie klar ist ein Klartraum?

 

Winners Podium

Da ich gelegentlich gefragt werde, ob ein bestimmter Traum schon als »luzide«  klassifiziert werden kann, versuche ich euch, anhand von »Kontinuitätsspektren« der Experten, eine Richtlinie darzulegen.
Nach eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass zu Anfang im Falle von DILDs ein fließender Übergang in der Klarheit besteht, der Schwankungen unterliegt und sich kontinuierlich steigert.

Ich gehe nun auf die Klassifizierung von Robert Waggoner ein, weil das »Belohnungssystem« im nächsten Beitrag darauf basiert. Außerdem bietet es vor allem Anfängern eine gute Übersicht über ihre Fortschritte. Er teilt die Bewusstseinsstufen im Klartraum folgendermaßen auf (Waggoner und McCready 2016: Kap.2: Abstufungen des Klartraums):

  • prä-luzide = der Träumende wundert sich über Traum-Begebenheiten,
  • sub-luzide = der Träumende erkennt vage, dass er träumt, geht aber nicht näher darauf ein,
  • semi-luzide = der Träumende wird luzide, nimmt aber kaum Einfluss auf den Traum, vielmehr lässt er sich von ihm leiten,
  • luzide = der Träumende ist in der Lage, wichtige Entscheidungen, die mit seiner Luzidität zusammenhängen, zu treffen,
  • voll-luzide = der Träumende ist sich seiner Fähigkeiten im Klartraum bewusst, erinnert sich an Ziele aus dem Wachzustand und verfolgt sie sowie
  • super-luzide = der Träumende verfügt über eine überragende Bewusstheit, Kreativität und Kontrolle über der Traum, übt unter anderem spirituelle Praktiken wie Meditation aus.

Ich habe für mich selbst eine zusätzliche Kategorie festgelegt, die ich als (indirekter) luzider Gedanke bezeichne und noch vor prä-luzide einordne. Ich könnte sie auch mit luzider Apathie umschreiben.  Es umschließt jene Fälle, in denen der Träumende ausgehend von der Traumumgebung zwar mit Klartraumthemen konfrontiert wird, sie jedoch nicht so weit registriert, dass sie Luzidität hervorrufen. Vielmehr scheinen die eigentlich entscheidenden Hinweise zum einen Ohr rein und beim anderen wieder herauszugehen. Dennoch ist diese Tatsache für mich relevant, weil sich eindeutig wichtige Konzepte in das Traumbewusstsein geschlichen haben. Beispielsweise träumte ich einst davon, wie mir eine Traumfigur vorschwärmte, wie sehr sie das Klarträumen erlernen wolle und berichtete mir von Realitätstests, die sie jetzt durchführe. Ich kommentierte ihr Vorhaben mit Begeisterung, ohne einen Realitätstest zu machen. Ich empfahl ihr sogar in meinem Blog zu stöbern! Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie ich mich nach dem Aufwachen über meine Passivität wunderte…

Wie steht es um eure Luzidität im Klartraum? Auch wenn es im Moment wie ein Tropfen ins Meer klingen mag: Gebt nicht auf bzw. resigniert nicht, wenn ihr nicht sofort stabile luzide Träume bekommt. Mit der Zeit vertieft sich die Erfahrung wirklich.

Geduld ist manchmal die beste Medizin!

Besonders gut gefällt mir der Maßstab von Daniel Love, der Luzidität in übersichtliche drei Grade einteilt:

  • nicht-luzide = gewöhnlicher Traum,
  • geringe Luzidität = der Träumende begreift nur vage, dass er träumt, lässt sich vom Traumgeschehen absorbieren und tendiert dazu, die Luzidität zu »verlieren« und
  • volle Luzidität = der Träumende verfolgt die eigenen Ziele und ist von der Traumumgebung unabhängig.

Nach der Argumentation von Daniel Love unterscheidet sich die weniger ausgeprägte Klarheitsstufe vom vollen Grad der Luzidität vor allem in der Tiefe des Verständnisses des Träumenden dafür, was sich hinter der Traumwelt verbirgt. Der erfahrene Klarträumer weiß, dass der Traum über einen illusorischen Charakter verfügt, weil er der Konstruktion seines Gehirns entstammt. Dadurch eröffnen sich ihm endlose Möglichkeiten und Freiheiten in der Klartraum-Gestaltung (Love 2013: Kap.6: Did I experience a lucid dream?).

Das klingt doch fast zu schön, um wahr zu sein, oder?

Es stimmt jedes Wort.

Aber es ist noch nicht alles: Mit der Luzidität krempelt ihr nicht nur euer Traumleben, sondern auch das Verweilen im Wachzustand um.

Mein persönlicher Rat:

Geht nicht leichtfertig damit um! Klarheit anzustreben, bedeutet eine Lebensenscheidung getroffen zu haben. Das Ziel sollte sein, sowohl im Wach- als auch im Traumzustand Luzidität – eine Klarheit der Gedanken und Gefühle – zu pflegen. Einen komplett neuen Lebensstil zu erfahren.

Eure Alex

Quellen: Bild: © efks / Fotolia.com
Love, Daniel (2013): Are you Dreaming?: Exploring Lucid Dreams: A Comprehensive Guide, [Kindle Edition], Enchanted Loom Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 25.05.2016].
Waggoner, Robert und Caroline McCready (2016): Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein: So aktivieren Sie Ihr verborgenes Potenzial im Schlaf, [Kindle Edition], München: Wilhelm Heyne Verlag, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 25.05.2016].

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