WILDing mit Shamatha

Virtualization of Colors

Dieser Sonderbeitrag war eigentlich erst für später geplant. Aber da meine Schwester ein zunehmendes Interesse an Klarträumen und außerkörperlichen Erfahrungen zeigt, widme ich ihr diesen für meine Verhältnisse überlangen Post. Er richtet sich auch an diejenigen unter euch, die aufs WILDen schwören oder gerne einen wachinduzierten Klartraum erleben würden. Das ist meine “geheime Spezial-Lieblingstechnik” mit sehr hoher Erfolgsrate. Mit allen Hintergrundinfos und Tipps, wie ich sie heute anwende.

Dazu wird es nur in Bezug auf die Herkunft der Technik etwas exotisch: »Shamatha« ist ein meditatives Aufmerksamkeitstraining mit buddhistischen Wurzeln, welches ich aus dem tibetischen Traum Yoga (s. das hervorragende Werk in der Quellen-Übersicht unten) übernommen habe. Durch kontinuierliches Üben erreicht der Praktizierende eine vorteilhafte sowohl mentale als auch physische Verfassung. Diese leitet ihn entweder in einen ausgeglichen Schlaf (praktiziert dazu Shamatha 5 Minuten vor dem Einschlafen am Abend) (Wallace 2012: Kap.3: Shamatha Practice to Improve Sleep) bzw. in einen wachinduzierten Klartraum. Wenn veranlagt, könnt ihr damit direkt nach dem Zubettgehen einen sogenannten WILD erleben. Ansonsten sind ähnliche Versuche unter Anwendung von Shamatha erst nach mindestens 4 bis 5 Stunden Schlaf bzw. nach einem natürlichen, spontanen Aufwachen in der Nacht empfehlenswert.

Im Folgenden beschreibe ich euch die ersten drei (von zehn) Shamatha-Stufen, die entweder für einen ausgeglichen Schlaf (Schritte 1 und 2) oder die Einleitung eines WILDs bzw. einer AKE geeignet sind:

  1. Löst eure verkrampfte Muskulatur, in dem ihr gezielt in die betroffenen Bereiche hineinatmet und während des Ausatmens diese Körperstellen entspannt. Behält diese Taktik so lange bei, bis sich der Körper taub / schwer anfühlt oder Schwebegefühle auftreten (Anzeichen, dass sich der Körper fürs Einschlafen vorbereitet). Wichtig: Berücksichtigt dabei besonders die Gesichtsmuskulatur um den Mund und die Augen! Vertieft den Entspannungsgrad mit 3 tiefen Atemzügen.
  2. Stellt eine flüssig ablaufende und ruhige Atmung her. Gleitet dabei in den Schlaf.
  3. Alternative Fortsetzung fürs WILDing: Konzentriert euch unter Beibehaltung der körperlichen Entspannung erst eine Zeit lang auf die Bewegung der Bauchdecke und dann bis zum Schluss auf die Nasenflügel. Lasst aufkommende Gedanken und Bilder unberührt vorüberziehen. Kehrt immer wieder zu den Empfindungen zurück, die mit der Atmung in Verbindung stehen (Wallace 2012: Kap.1: Shamatha in Practice).
  4. »Wartet« unbedingt passiv auf den bewussten Traumeintritt, der sich nach meiner Erfahrung auf diese Weisen vollstrecken kann:
  • ein Bild / Szene (Hypnagogia), die ihr nach der Abfolge von bunten Farbwolken vor euren geschlossenen Augen seht, wird so lebhaft und klar, dass sie euer Bewusstsein wie ein Staubsauger hineinzoomt (der Traum beginnt prompt darauf),
  • wie beim Beginn einer außerkörperlichen Erfahrung schwebt / rollt der Traumkörper in den sich bildenden Traum hinein, der sich täuschend echt anfühlt (höchstwahrscheinlich startet der Traum von dem Ort aus, wo ihr eingeschlafen seid),
  • wie aus dem Nichts bildet sich eine Traumszene um euch herum,
  • ein farbenfroher Strudel/Sog zieht euch in eine sich aufbauende Traumszene,
  •  ihr macht eine außerkörperliche Erfahrung.

Zum letzten Punkt: Die möglichen Symptome während der Lösung des Traums- vom physischen Körper (vibrational state) sind sehr mannigfaltig bzw. können auch fehlen. Versucht sie so gut es geht zu ignorieren, auch wenn ihr glaubt, das Herz springe euch gleich aus der Brust. Jegliche Bewegung oder Gedanken, die mit dem physischen Körper zusammenhängen, lösen einen sofortigen Abbruch der Separation aus.

Was die unberechenbaren hypnagogen Begleit-Halluzinationen anbetrifft, die ihren Ursprung etwa durch Geräusche von außen oder Schlafparalyse haben können, habe ich beispielsweise erlebt:

  • Visionen, undeutliche Stimmen / Gespräche,
  • ein durchdringendes Rufen meines Namens,
  • Piepen / Brummen / Knacksen in einem oder beiden Ohren – sowie
  • die klassischen »Vibrationen« des Astralkörpers.

Auch ist es charakteristisch, dass ihr bei Symptomen einer AKE zunächst in der “Void” landet. Dieser Ort stellt einen sehr tiefen Bewusstseinszustand dar, frei von jeglichen Realitätseinschränkungen. Ich erlebe die Void meist als pechschwarzen Nebel, den ich bei einer AKE mit einem ungeheuren Schweregefühl durch krabbele. Wenn auch ihr mal nach der Separation wie ein Felsbrocken aus dem Bett fallen solltet (Da war ich aber schockiert beim ersten Mal, wer fällt schon aus dem Bett?!), wendet die gleiche Strategie an: Entfernt euch möglichst rasch von dem physischen Körper! Hilfreich ist es, mit der Umgebung mittels Tastsinn (daher das Krabbeln) zu interagieren, um ein Zurückschnappen zu vermeiden.
Von der Void aus bietet sich euch die großartige Wahl – wollt ihr einen Klartraum starten oder in der AKE verbleiben?
Die Astralwelt ist sehr gedankenempfindlich. Mein Trick für die Klartraum-Induktion lautet: Sobald sich euer Bewusstseinszustand stabilisiert (Void löst sich auf, die Umgebung wird hell): Fragt euch wie bei einem Realitätstest: Träume ich oder bin ich wach? Schaut auf eure Hände oder sucht eure Umgebung nach Unregelmäßigkeiten ab – beispielsweise entdecke ich oft »verdrehte« digitale Uhranzeigen. Danach stelle ich innerlich fest: »Ich träume! Das ist ein Klartraum!« Die nächste Tür, die ich öffne, gewährt mir darauf den direkten Eingang in eine luzide Traumszene.

Die Bezeichnungen »außerkörperliche« Erfahrung sowie zweiter / astraler / Energie- / Traumkörper, wie sie üblicherweise in der Literatur verwendet werden, können sehr irreführend sein, wenn ihr euch noch kaum mit dieser Materie auskennt. Es gibt keine zwei Körper (Aardema 2012: Kap.3). Die dualistische Betrachtungsweise des Körpers verwende ich hier nur zur Veranschaulichung des Vorgangs. Tatsächlich vollzieht sich bei einer AKE zumeist eine innere Reise in das eigene Bewusstsein, »irgendwo zwischen den Ohren« (Morley: 2013: Kap.10, zitiert nach Charles Laughlin). Die Umgebung entstammt der Produktion des Gehirns, alle Gestalten bilden (auch zukünftige, vergangene) Aspekte eurer Selbst, hier manifestieren sich in flexibelsten Formen sämtliche unmittelbare Erwartungen, verdrängte Ängste oder intensiv erlebte Gedanken aus dem Wachzustand. Erfahrene Astralreisende hingegen gelangen über ihr »persönliches Feld« hinaus (Aardema 2012: Kap.7), schöpfen aus dem kollektiven Bewusstsein oder bereisen »gehobene Astralebenen« (vgl. die Werke Robert Monroes, William Buhlmans oder Jurgen Ziewes in der Bibliografie).

Die Fähigkeit der »stillen Beobachtung« von Hypnagogia stellt sich durch regelmäßiges Üben ein. Auch hält ihr immer länger das Bewusstsein bei und werdet der anfänglichen Müdigkeit resistent gegenüber. Vor allem zu Beginn kann sich ein erfolgreicher WILD bis zu einer Stunde hinziehen bzw. die Lust aufs Einschlafen übermannen. Mit Erfahrung verkürzt sich die Dauer bis zum WILD erheblich. Eine zusätzliche Shamatha-Einheit (24 Minuten) tagsüber unterstützt euch in der Ausbildung der notwendigen Kombination aus körperlicher Entspannung und geistiger Konzentration. Versucht anstatt eines Mittagsschlafes Shamatha zu üben und seht dabei zu, wie sich eure Fähigkeit zur Aufmerksamkeit auch positiv auf den Alltag auswirkt. Für unsere heutige Gesellschaft sind Rastlosigkeit und Zerstreutheit leider charakteristisch. Mit Shamatha könnt ihr diesen Attributen effektiv entgegenwirken und von den Ergebnissen profitieren.

Für den Start eines WILDs existieren verschiedene Anleitungen und Tipps, die euch in Literatur und Internet unterbreitet werden. Bei jeder Klartraum-Technik gilt stets:

  • sie muss nicht (sofort) klappen (allerdings sollte man auch ausreichend üben, bevor man aufgibt – 2 bis 4 Wochen bilden einen guten Richtwert),
  • eine Abwandlung und Experimentieren mit einer bestimmten Technik könnte ihr Gelingen hervorrufen. Auch hier unter Umständen: Geduld, Geduld, Geduld.

Ich habe rund einen Monat lang hartnäckig an einem auf mich zugeschnittenen WILD »gebastelt«. Verschiedene Entspannungsformen ausprobiert, mich bis zum Verkrampfen in derselben Körperposition befunden, fast bis zum Verzweifeln ein anbahnendes Schlucken unterdrückt. Daraus folgt diese Empfehlung an euch:
Geht zu Beginn körperlichen Bedürfnissen nach, dreht euch auch Mal auf die Seite mit dem Ziel die perfekte Schlafposition zu finden. Irgendwann solltet ihr aber eine Weile reglos verweilen. Eine kurze vorherige Wachphase, ein sogenannter »WBTB« (wake back to bed) im Klartraum-Jargon, könnte sich für euch als wertvolle Hilfe erweisen. Wenn ihr beispielsweise auf die Toilette geht und / oder ein Glas Wasser trinkt, schlummert ihr nicht sofort nach dem Aufwachen ein. Die Gefahr, die Absicht zum WILDen zu verdrängen, wird sichtlich minimiert.

Das Wichtigste zum Schluss:

Vergewissert euch stets mit einem Realitätstest, ob ihr in einem Traum seid, um ein mögliches falsches Erwachen zu verhindern. Verwirklicht bei positivem Ausgang eure Traumziele bzw. erkundet die Traumwelt spontan! Klare Träume!

Quellen: Bild: © agsandrew / Fotolia.com
Aardema, Frederick (2012): Explorations in Consciousness: A New Approach to Out-of-Body Experiences, [Kindle Edition], Quebec: Mount Royal Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Morley, Charlie (2013): Dreams of Awakening, [Kindle Edition], London: Hay House UK Ltd, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

Wallace, Alan B. (2012): Dreaming Yourself Awake: Lucid Dreaming and Tibetan Dream Yoga for Insight and Information, [Kindle Edition], Boston & London: Shambhala Publications, Inc., verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 22.05.2016].

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