Realitätstests mit Sinn

Neben der Traumtagebuch-Führung gehören die Realitätstests zum wichtigsten Werkzeug eines Klarträumers. Auch wenn die sogenannten reality checks in Theorie recht einfach und unkompliziert klingen, gelingt es nicht allen, sie vom Wach- in den Traumzustand zu überführen.

Doch warum ist es so?

Die Antwort liegt auf der Hand :

Wenn wir im Leben etwas halbherzig durchführen, oder noch schlimmer, automatisch über uns ergehen lassen, können wir nicht davon träumen.

Habt ihr euch schon Mal etwas so sehr gewünscht, sich Tage lang bis zum Einschlafen damit beschäftigt, so sehr auf die Post gewartet, dass sich euer Wunsch im Traum manifestiert hat? Ich habe oft solche Träume. Auch tauchen in meinen Träumen bestimmte Themen bzw. Symbole aus intensiv verarbeitetem Lesestoff am Vortag auf.

Eine ähnliche Begeisterung ist auch bei Realitätstests notwendig.

Es reicht nicht aus, mal kurz einen Check zu machen. Dann kann man es genauso sein lassen und seine Zeit anders gestalten.

Was sind die Knackpunkte bei einem Realitätstest?

Die Auslöser, die richtige Einstellung, die Dauer, die Häufigkeit und die Analyse der Umgebung.

Eine Minute könnte einer von mindestens zehn täglich sorgfältig ausgeführten Realitätstests schon dauern. Stellt euch vor, dass ihr, einem Detektiv ähnlich, mit einer unsichtbaren Lupe und einer gesunden Portion Neugier, die unmittelbare Gegend untersucht: Was fällt euch auf? 

Der Klartraum-Experte Daniel Love weist darauf hin, dass man dabei berücksichtigen soll, wie viel Zeit wir eigentlich im Schlaf verbringen und wie täuschend echt sich das Erlebte im Klartraum anfühlen kann. Erst nach dem Aufwachen stufen wir diese Erfahrungen als irreal ein.

Wenn ihr einen luziden Traum hattet, wisst ihr, dass es kein Hirngespinst ist, die Wirklichkeit regelmäßig zu hinterfragen.

Auch ist es sehr hilfreich, während eines Realitätstests anzunehmen, dass ihr wahrscheinlich träumt. Damit verhindert ihr eine indirekte Programmierung, dass ihr wach seid, sodass die Wirksamkeit des Tests insgesamt abgeschwächt wird.

Sucht eure Umgebung besonders nach Zeichen von Unstabilität ab (Love 2013: Kap.3: Reality testing).

Auch ich bemühe mich jedes Mal, irgendeine digitale Uhranzeige zu entdecken bzw. einen Text jeder Art, welcher sich auf einem Blatt Papier, Buch, Plakat usw. befinden kann. Beim zweiten Hinsehen ändern sich die Zahlen bzw. Buchstaben dermaßen, dass es Klick macht. Das ist ein Traum!

Aber auch wenn ihr durch die Realitätstests allein keinen DILD erlebt, ist deren Praxis im Wachzustand eine Pflicht eines jeden Klarträumers. Nach meiner Erfahrung führe ich immer die geübten Tests aus, auch wenn ich sie nach einem WBTB / WILD usw. im Traum anwende. Außerdem sind sie wichtig, um die Klarheit im luziden Traum aufrechtzuerhalten bzw. um diesen zu stabilisieren.

Führt daher täglich eure gewählten Realitätstests durch.

Mein Lieblingstest ist der palm check – das Betrachten meiner Hände. Aber er ist unzuverlässiger, wie ich bereits mehrmals feststellen konnte. Manchmal konnte ich im Klartraum nicht beurteilen, ob meine Hände normal aussehen. Das endete damit, dass ich einen anderen Test dran hängen musste. Oder, wie im Falle eines WILDs, einfach mit den Schultern zuckte. Wenn ihr den Traum bewusst betritt, braucht ihr den Test oftmals nicht, weil es von Anfang an eindeutig ist, dass ihr träumt. 

Macht euch also mindestens zwei Realitätstests zur Gewohnheit.

Doch wann ist der beste Zeitpunkt für einen Realitätstest? Was könnte bzw. sollte ihn hervorrufen? Da gibt es verschiedene Möglichkeiten und es wäre großartig, wenn ihr alle beherzigen könntet (Love 2013: Kap.3: Reality testing):

  • spontaner Wunsch, einen Realitätstest zu machen,
  • beim Bemerken eurer persönlichen Traumzeichen aus dem Tagebuch – könnten Personen / Gegenstände / Tätigkeiten oder bestimmte Emotionen darstellen,
  • Zufälle,
  • Dejà-Vues,
  • generelle Gefühlsausbrüche im Wachzustand,
  • Versuch der Rechtfertigung einer bestimmten unnatürlichen Begebenheit,
  • Gespräche über (Klar-)Träume.

Um mich nicht mit den Tests zu überladen, nutzte ich als Einstiegstechnik die Weird Technique Charlie Morleys (Morley 2013: Kap.5: The Weird Technique):

Wenn etwas (weird) sonderbar läuft, macht einen Realitätstest. Seid aufmerksam in eurer Wahrnehmung.

Ich führe den Test auch durch, wenn mir jemand generell etwas Komisches / Merkwürdiges erzählt. Auch versuche ich stets, eine luzide Geisteshaltung (lucid mindset) im Alltag zu pflegen. Das bedeutet, ich stelle mir immer wieder die Frage:

Wo bin ich gerade?

Da ich in meinen Träumen oft irgendwo anders bin, als im Wachzustand, ist die Frage berechtigt.

Nach Robert Waggoners Empfehlung lässt sich die mentale Geisteshaltung auf folgende Lebensbereiche übertragen (Waggoner und McCready 2016: Kap.3: Paul Tholeys Kritisch-reflektierende Technik):

  • Lokalität: Wo bin ich gerade?
  • Gedächtnis: Was tat ich gerade?
  • Kritisches Überlegen: Träume ich gerade?

Beschäftigt euch mehrmals am Tag mit der ausgesuchten Frage. Nach einer gewissen Zeit sickert diese mentale Routine in das Traumgeschehen.

Wie fleißig ich in Bezug auf die reality checks bin, manchmal werde auch ich bequem und gerate in Versuchung, sie auszulassen.

In solchen Fällen hat mich mein großartiger und unvermeidlicher Weckruf auf die richtige Fährte zurückgebracht. Ein charakterististischer Gegenstand, welcher an die Tests erinnern soll, wird auch als ein Totem bezeichnet (Tuccillo, Dylan, Jared Zeizel und Thomas Peisel 2013: Kap.8: The Reality Check: Totem).

Ich verwende den Kreisel aus Inception, meinem Lieblingsfilm mit Klartraumbezug. Diesen habe ich im Bad auf der Ablage platziert, neben einem Zahnputz-Timer mit digitaler Uhranzeige und einer Flasche Hautmilch mit viel Text. 

Wenn ich im Bad bin, läuten die Alarmglocken, sobald ich den Kreisel sehe.

Ich checke daraufhin sofort die Uhrzeit und den Text auf der Kosmetik-Flasche. Das erinnert mich auch wieder daran, die Umgebung nicht nur im Bad zu analysieren.

Zusätzlich drücke ich stets meine Hand gegen eine scheinbar feste Oberfläche wie Wand / Schrank / Tisch (im Traum versinkt die Hand wie in Butter darin).

Das war’s eigentlich. Nicht schwer, oder?

Zur Übersicht eine knappe Checkliste zum Aufhängen oder Merken:

  • 1. Lucid mindset – Frage stellen (spontan / durch Totem / merkwürdiges Ereignis / Traumzeichen)
  • 2. Die Frage beantworten. Wenn unverdächtiger Ort, Gegend absuchen nach a) geschriebenem Text und b) Zahlen.
  • 3. Zahlen / Text betrachten, wegschauen, noch Mal ansehen. Frage: Träume ich? beantworten.
  • 4. Wenn alle Stricke reißen oder in der Dunkelheit: nose pinch (Nase zukneifen – im Traum kann man durch die Nase atmen) / thumb check (rechten Zeige- und Mittelfinger durch die linke Handfläche drücken – im Traum passieren die Finger die Hand)

Werdet kreativ! Erfindet eigene Anstupser, die euch im Traum aus dem fiktiven Alltagstrott befreien!

Klare Träume!

Eure Alex

Mein Realitätstest

 

Quellen:
Love, Daniel (2013): Are you Dreaming?: Exploring Lucid Dreams: A Comprehensive Guide, [Kindle Edition], Enchanted Loom Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016].
Morley, Charlie (2013): Dreams of Awakening, [Kindle Edition], London: Hay House UK Ltd, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016
Tuccillo, Dylan, Jared Zeizel und Thomas Peisel (2013): A Field Guide to Lucid Dreaming: Mastering the Art of Oneironautics, [Kindle Edition], New York: Workman Publishing Company, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016].
Waggoner, Robert und Caroline McCready (2016): Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein: So aktivieren Sie Ihr verborgenes Potenzial im Schlaf, [Kindle Edition], München: Wilhelm Heyne Verlag, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016].

Ihr habt nur ein Gehirn!

Megafon vor Kreidetafel

Dem Anschein nach komme ich einfach nicht drumrum: Manche Menschen haben einfach das Bedürfnis zu diskutieren, welche Pulverchen-Mittelchen wie Galantamin und Co. zur Luzidität verhelfen sollen, in welcher Zusammensetzung usw.

Sind wir hier etwa bei Merlin, in der Alchemie-Werkstatt?

Ist es nicht besser und gesünder, ein natürlicher Klarträumer zu werden?

Ich kann in gewisser Hinsicht sogar verstehen, dass man bei andauernder Erfolglosigkeit den Weg des geringsten Widerstands wählen möchte. Dass man verzweifelt, grübelt und demotiviert ist, wenn andere klarträumen und einem selbst dieses (nur scheinbare!) Privileg verwehrt bleibt. Aber …, braucht man wirklich calea zacatechichi (Traumgras) dafür?

Schaut euch den Begründer des Realitätstests an: Paul Tholey wandte rund einen Monat lang aus purem wissenschaftlichem Interesse und ohne Gewissheit in Bezug auf die Endergebnisse (!) die »kritische Bewusstseinsprüfung« an, die schließlich in Luzidität resultierte (Waggoner und McCready 2016: Kap.3: Paul Tholeys Kritisch-reflektierende Technik).

So viel Geduld müsste ein jeder Anfänger schon Mal mitbringen. Und auch wenn ihr zu den Glückspilzen gehört und sich der erste Erfolg schnell einstellt, heißt es leider noch lange nicht, dass die nächsten Klarträume im gleichen Tempo folgen müssen. Die Luzidität kann durchaus zickig und launisch in ihrem Eintreten sein. Techniken für DILDs könnten »abstumpfen« oder ihr seid nicht mehr mit dem einstigen Enthusiasmus dabei, der euch wie ein Katalysator in den nächsten Klartraum katapultiert. Auch ich hatte so einige Durchhänger und Durststrecken überwinden müssen.

Heute sehe ich das Ganze aus diesem Blickwinkel:

Ich muss Luzidität nicht mit Pillen herbeiführen.

Ich muss nicht jede Nacht klarträumen.

Oft habe ich einfach ein besonderes Gefühl bzw. die Vorfreude, dass heute eine perfekte Nacht fürs Klarträumen sein könnte. Profis wie Robert Waggoner träumen izwischen nur rund 2 Mal im Monat klar (was nicht nur mit dem Alter zusammenhängt)1. Es geht ja letztendlich um die Klartraum-Qualität und keine Wettbewerb-Medaillen.

Ihr habt nur ein Gehirn, geht kein irreparables Risiko mit Medikamenten und sonstigen Wundermitteln ein.

Wenn die gängigen Techniken nicht funktionieren, besorgt euch vorher lieber eine »REM-Maske« oder experimentiert mit den binaural beats. Das ist wesentlich ungefährlicher und ihr bekommt höchstens einen Brummschädel davon (weswegen ich diese Dinge eher meide)2.

Was ist euch die Luzidität wert? Bestimmt nicht die eigene Gesundheit oder Vernebelung des Urteilsvermögens, oder? Ich habe mich damals dazu entschlossen, es auf natürlichem Wege zu schaffen. Und es nicht bereut.

Eure Alex (mit einem Augenzwinkern)

 

Quellen: Bild: © fotogestoeber / Fotolia.com 
Waggoner, Robert und Caroline McCready (2016):
Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein: So aktivieren Sie Ihr verborgenes Potenzial im Schlaf, [Kindle Edition], München: Wilhelm Heyne Verlag, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 25.05.2016].

Vgl. Robert Waggoners Diskussionsrunden auf dem FAQ-Forum seiner Homepage.

Natürlich vorher die möglichen Risiken und Nebenwirkungen abwiegen. Gute Erfahrungen machte ich z. B. mit den Lucid Dreaming Isobeats.

Tiefgründig fragen (Ergebnisse zum 3. Experiment)

Mir ist aufgefallen, dass ich euch noch einen Erfahrungsbericht zum »Höheren Traumbewusstsein« schuldig bin (Hausaufgabe vom April).

Meine allererste Hinwendung an diese mächtige Traum-Instanz äußerte sich damals mit der Frage:

Wie sieht meine Zukunft in 5 Jahren aus?

Neugierde ist nun Mal meine Schwäche – auch wenn sie in Klarträumen durchaus willkommen sein kann.

Jedenfalls beging ich erst den kleinen Patzer, dass ich meine Frage in einem geschlossenen Raum stellte. Ähnliche Anliegen sind unter freiem Himmel, wobei man seine Fragen oder Bitten nach »oben« ruft, wesentlich effektiver. Also passierte im ersten Augenblick nichts. Ratlos stand ich eine Weile da. Doch ich gab nicht auf und entdeckte schließlich ein Fenster (eines meiner »Standardportale«) in dem halbleeren Raum, aus dem ich hinausschaute. Vor mir erstreckte sich eine komplett neue Szene. Ich kletterte aus dem Fenster und bekundete »die Antwort auf meine Frage«. Interessant war, dass die Umgebung menschenleer war und einige »symbolbehaftete« Gegenstände bzw. Einrichtungen enthielt. Mir kam es vor, als ob ich in eine aufgeschlagene, illustrierte Buchseite geraten bin.

Falls der Traum sich bewahrheitet, gibt es eine genaue Analyse von mir an euch. Eines verrate ich schon jetzt –

Es sah sehr, sehr gut aus 😉 viel zu schön, um wahr zu sein –
Eine verträumte Idylle. Ich wanderte in der Gegend und fragte mich, wie ich mir so etwas »zusammenreimen« konnte. Ich frage mich heute noch, wie das alles in die Realität gelangen soll in knapp 4 Jahren, weil ich im Moment mit dem Gesehenen gar nichts am Hut habe oder anfangen kann, aber ihr wisst ja –

Gottes Wege sind unergründlich.

Fenster

Der geheimnisvolle Ausblick

Klare Träume!
Eure Alex

4. Experiment: Mantras

Kompass zeigt auf das Wort Ziel

Für den Juni habe ich einen ziemlich schrägen Formulierungsvorschlag an euch!

Gebraucht in einem eurer Klarträume das Mantra:

Gaom-raom-om-bour-bu-mama-papa.1

Diese Formel soll angeblich das Maximale aus einem luziden Traum oder einer AKE zu Tage fördern. Der Begründer und Gnostiker des 20 Jhs., Samael Aun Weor, bezeichnete sie sogar als den »Dynamiten des Traumzustands«. Dabei ist die Ausspache, wie Betonung bestimmter Silben, unerheblich (Dennett 2004: Kap.7: Mantra experiences). Ich will es auch selbst testen und bin gespannt.

Klare Träume!
Eure Alex

 

Quellen:

1.Habe mehrfach die Schreibweise überprüfen müssen 😉

Bild: © Robert Kneschke / Fotolia.com
Dennett, Preston (2004): Out-of-Body Exploring: A Beginner’s Approach, [Kindle Edition], Charlottesvilles, VA: Hampton Roads Publishing Company, Inc., verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 30.05.2016].

 

Wie klar ist ein Klartraum?

 

Winners Podium

Da ich gelegentlich gefragt werde, ob ein bestimmter Traum schon als »luzide«  klassifiziert werden kann, versuche ich euch, anhand von »Kontinuitätsspektren« der Experten, eine Richtlinie darzulegen.
Nach eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass zu Anfang im Falle von DILDs ein fließender Übergang in der Klarheit besteht, der Schwankungen unterliegt und sich kontinuierlich steigert.

Ich gehe nun auf die Klassifizierung von Robert Waggoner ein, weil das »Belohnungssystem« im nächsten Beitrag darauf basiert. Außerdem bietet es vor allem Anfängern eine gute Übersicht über ihre Fortschritte. Er teilt die Bewusstseinsstufen im Klartraum folgendermaßen auf (Waggoner und McCready 2016: Kap.2: Abstufungen des Klartraums):

  • prä-luzide = der Träumende wundert sich über Traum-Begebenheiten,
  • sub-luzide = der Träumende erkennt vage, dass er träumt, geht aber nicht näher darauf ein,
  • semi-luzide = der Träumende wird luzide, nimmt aber kaum Einfluss auf den Traum, vielmehr lässt er sich von ihm leiten,
  • luzide = der Träumende ist in der Lage, wichtige Entscheidungen, die mit seiner Luzidität zusammenhängen, zu treffen,
  • voll-luzide = der Träumende ist sich seiner Fähigkeiten im Klartraum bewusst, erinnert sich an Ziele aus dem Wachzustand und verfolgt sie sowie
  • super-luzide = der Träumende verfügt über eine überragende Bewusstheit, Kreativität und Kontrolle über der Traum, übt unter anderem spirituelle Praktiken wie Meditation aus.

Ich habe für mich selbst eine zusätzliche Kategorie festgelegt, die ich als (indirekter) luzider Gedanke bezeichne und noch vor prä-luzide einordne. Ich könnte sie auch mit luzider Apathie umschreiben.  Es umschließt jene Fälle, in denen der Träumende ausgehend von der Traumumgebung zwar mit Klartraumthemen konfrontiert wird, sie jedoch nicht so weit registriert, dass sie Luzidität hervorrufen. Vielmehr scheinen die eigentlich entscheidenden Hinweise zum einen Ohr rein und beim anderen wieder herauszugehen. Dennoch ist diese Tatsache für mich relevant, weil sich eindeutig wichtige Konzepte in das Traumbewusstsein geschlichen haben. Beispielsweise träumte ich einst davon, wie mir eine Traumfigur vorschwärmte, wie sehr sie das Klarträumen erlernen wolle und berichtete mir von Realitätstests, die sie jetzt durchführe. Ich kommentierte ihr Vorhaben mit Begeisterung, ohne einen Realitätstest zu machen. Ich empfahl ihr sogar in meinem Blog zu stöbern! Ihr könnt euch bestimmt vorstellen, wie ich mich nach dem Aufwachen über meine Passivität wunderte…

Wie steht es um eure Luzidität im Klartraum? Auch wenn es im Moment wie ein Tropfen ins Meer klingen mag: Gebt nicht auf bzw. resigniert nicht, wenn ihr nicht sofort stabile luzide Träume bekommt. Mit der Zeit vertieft sich die Erfahrung wirklich.

Geduld ist manchmal die beste Medizin!

Besonders gut gefällt mir der Maßstab von Daniel Love, der Luzidität in übersichtliche drei Grade einteilt:

  • nicht-luzide = gewöhnlicher Traum,
  • geringe Luzidität = der Träumende begreift nur vage, dass er träumt, lässt sich vom Traumgeschehen absorbieren und tendiert dazu, die Luzidität zu »verlieren« und
  • volle Luzidität = der Träumende verfolgt die eigenen Ziele und ist von der Traumumgebung unabhängig.

Nach der Argumentation von Daniel Love unterscheidet sich die weniger ausgeprägte Klarheitsstufe vom vollen Grad der Luzidität vor allem in der Tiefe des Verständnisses des Träumenden dafür, was sich hinter der Traumwelt verbirgt. Der erfahrene Klarträumer weiß, dass der Traum über einen illusorischen Charakter verfügt, weil er der Konstruktion seines Gehirns entstammt. Dadurch eröffnen sich ihm endlose Möglichkeiten und Freiheiten in der Klartraum-Gestaltung (Love 2013: Kap.6: Did I experience a lucid dream?).

Das klingt doch fast zu schön, um wahr zu sein, oder?

Es stimmt jedes Wort.

Aber es ist noch nicht alles: Mit der Luzidität krempelt ihr nicht nur euer Traumleben, sondern auch das Verweilen im Wachzustand um.

Mein persönlicher Rat:

Geht nicht leichtfertig damit um! Klarheit anzustreben, bedeutet eine Lebensenscheidung getroffen zu haben. Das Ziel sollte sein, sowohl im Wach- als auch im Traumzustand Luzidität – eine Klarheit der Gedanken und Gefühle – zu pflegen. Einen komplett neuen Lebensstil zu erfahren.

Eure Alex

Quellen: Bild: © efks / Fotolia.com
Love, Daniel (2013): Are you Dreaming?: Exploring Lucid Dreams: A Comprehensive Guide, [Kindle Edition], Enchanted Loom Publishing, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 25.05.2016].
Waggoner, Robert und Caroline McCready (2016): Klarträume – Wege ins Unterbewusstsein: So aktivieren Sie Ihr verborgenes Potenzial im Schlaf, [Kindle Edition], München: Wilhelm Heyne Verlag, verfügbar über Amazon.de [zuletzt abgerufen am 25.05.2016].

Luzide »Amnesie«

Kopf, Antworten, Wissen II

Als mir im Kontext einer angesprochenen Studie in Lucid Ignition einige »bemerkenswerte« und auch »nachteilige« kognitive Fähigkeiten von Klarträumern zu Ohren gekommen sind, … ja, da habe ich mich schmunzelnd  wiedererkannt. Es fühlte sich wie ein Rendezvous mit einigen meiner Charaktereigenschaften an, die vor allem mein direktes Umfeld betreffen, sobald sie neben mir am Fernseher sitzen. Wie oft habe ich schon rollende Augen oder ungläubige Blicke geerntet, weil ich Schauspieler bzw. Filmhandlungen verwechselt oder ganz vergessen habe. Das gibt es tatsächlich!

Nun, es hat auch eine positive Seite: Ich kann einige Jahre später einen Film »fast wie von Neuem« anschauen, weil ich nur noch dunkel weiß, worum es geht. Auch kann ich mich nur vage an Namen oder Gesichter erinnern, wenn ich sie nicht tagtäglich sehe. Das kann sich fast wie ein »Dejá-Vù« anfühlen, nur habe ich die Person mal wirklich getroffen … Das kann allerdings auch nach hinten losgehen, wie ihr euch mit Sicherheit ausmalen könnt.

Vielleicht ist mein Gehirn auch einfach nur dem eines Sherlock Holmes ähnlich? Ihr erinnert euch, er filterte sein Wissen nur nach dem, was er brauchte. Alles andere umging oder überhörte er einfach …
Und so nehme auch ich oft nur Dinge langfristig auf, wenn sie sich in Zukunft als potenziell »ungeheuer praktisch« erweisen könnten, wie Passagen aus allen möglichen Büchern zu Themen, die ich mag. Das hat sich damals in Bezug aufs wissenschaftliche Schreiben in meinem literaturwissenschaftlichen Studium besonders gut gemacht…Wie passend – in der Schule nannte man mich im jeweiligen Fach entweder Englisch-Enzyklopädie oder Chemielexikon. Aber wehe, ihr wollt wissen, wie mein Physiklehrer hieß … Ist mir mal wieder entfallen. Hm.

Erkennt ihr euch als luzide Traum-Magier in mir wieder?

»Nobody is perfect«, oder? Wenigstens habe ich jetzt eine gute Ausrede:

Ich bin eine Klarträumerin, deshalb ;).1

Eure Alex

Quellen: Bild: © Rudie / Fotolia.com

1.»Du tust ja nie eine Sache auf einmal mit deinem Multi-Tasking.« – Tja … Ich bin ja nicht nur eine Klarträumerin, sondern auch noch eine Frau...

Kontrolle ist gut …

…, aber Hingabe ist besser.

Das trifft nicht nur auf Beziehungen, sondern auch auf die Entwicklung im Klartraum zu. Ich denke sogar, dass es auf einen entscheidenden Schritt in Richtung Spiritualität hinweist.
Wie spannend die ersten Klarträume auch sein können, wie viel Spaß ihr in denen durch bewusste Steuerung erleben mögt … Gelangt auch ihr vielleicht irgendwann zu dem Punkt:

»Ist das alles? Ist da nicht noch mehr?«

Tatsächlich geht es über den »üblichen Horizont« hinaus. Ihr findet ihn in der »Hingabe an den Traum«, indem ihr euch von jeglichen Erwartungshaltungen befreit. Ein Anzeichen dafür könnte beispielsweise die sogenannte »Vortex« (lat. Wirbel) darstellen. Ihr könnt sie vor dem geistigen Auge vor, nach und zwischen verschiedenen (Klar-)Träumen erleben. Ich habe versucht, euch einen Tunnel (s. Bild) zu zeigen, in welchen ich kürzlich unerwartet geraten bin. Ich raste mit ungeheurer Geschwindigkeit hindurch, die Wände der endlos scheinenden Windungen hatten den Anblick einer »Schlangenhaut« von innen. Es war ein beeindruckendes Erlebnis, welcher mir fast den Atem raubte… Ich fragte mich, ob ich abseits der passiven Beobachtung in der Vortex auch aktiv werden kann. Bei der nächsten Gelegenheit erkundigte ich mich bei Ryan Hurd nach meinen Optionen in Bezug auf dieses Phänomen.

Wenn ihr in die Vortex (einen Portal in der Form eines Strudels/Sogs/Tunnels) passiert, habt ihr demnach mehrere Wahlmöglichkeiten1:

  • ihr lasst das Ende “offen ausgehen”, indem ihr eure Reise still beobachtet,
  • ihr legt ein bestimmtes Ziel fest (Wo wollt ihr hin?) oder
  • ihr legt ein offenes Ziel fest (z.B.: »Bring mich zu dem Ort, den ich zu sehen brauche.«)

Auch ich habe mich zu Anfang in meinen Klarträumen in Hinsicht auf deren Beherrschung »ausgetobt«. Auch wenn die Versuchung groß war, erinnerte ich mich bald an meine ursprünglichen Ziele:

Mehr aus meinen Klarträumen herauszuholen. Und wie weit seid ihr mit eurer Beziehung zum Klartraum?

Eure Alex

1.Persönliche Korrespondenz vom 15.5.16, im Rahmen von Lucid Ignition